News und Aktuelles an der PFH Göttingen
24.11.2009
Campusstudium

Weißrussland auf dem Weg in die EU?

Kritische Fragen ausdrücklich erwünscht: Im Rahmen der Internationalen Schwerpunktwoche der PFH stellte sich Andrei Giro, Botschafter der Republik Belarus (Weißrussland), den Fragen der Studierenden. Gemeinsam mit Botschaftsrat Konstantin Chizhik besuchte Giro, der erst vor einigen Wochen zum Botschafter ernannt wurde, am 24. November die PFH. Die Region Osteuropa ist eine von drei Schwerpunktregionen im Management-Studium und daher in Forschung und Lehre der Hochschule von besonderem Interesse.


"Belarus ist ein Staat zwischen zwei Riesen – der EU und Russland", leitete Giro ein und versuchte in seinem Vortrag zu belegen, dass Weißrussland nicht nur geographisch, sondern auch politisch, wirtschaftlich und kulturell zu Europa gehört. Vor allem wirtschaftlich seien die EU-Staaten und Weißrussland stark verknüpft. Nach Russland sei Deutschland immerhin der zweitgrößte Importeur von weißrussischen Produkten, trotz Handelsbarrieren der EU. Giro erläuterte auch die wirtschaftliche Transformation seines Landes: Nach dem Willen der Regierung sollen schon in wenigen Jahren die planwirtschaftliche Ordnung Weißrusslands Vergangenheit und alle Unternehmen in private Trägerschaft überführt worden sein.

In der offenen und durchaus kontrovers geführten Diskussion sprachen die Studierenden der PFH auch kritische Themen an. Sie hinterfragten den Stand der politischen Reformen und der wirtschaftlichen Liberalisierung ebenso wie individuelle Freiheiten und die Rechte der Opposition in der Republik Belarus. Thematisiert wurden auch die intensiven Beziehungen Weißrusslands zu Staaten wie Venezuela und die umstrittene Verfassungsänderung im Oktober 2004, nach der Präsident Lukaschenko eine unbegrenzte Amtszeit erlangen kann.

Trotz allem Reformbedarf, den auch Giro einräumt, sieht er die Republik Belarus langfristig an der Seite der Europäischen Union: "Momentan ist Weißrussland noch nicht reif für die EU. Aber ich bin zuversichtlich, dass wir den Beitritt bis 2020 und noch vor unserem Nachbarn, der Ukraine, schaffen." Auch wenn nicht alle Studierenden diesen Optimismus teilten, bleibt zu wünschen, dass der begonnene Systemwandel in Zukunft zu einer Annäherung an die Standards der EU führen wird.