09.07.2015
Campusstudium

Migration und Flüchtlinge:
15. Gesellschaftspolitischer Diskurs

Über 100 Schülerinnen und Schüler aus verschiedenen Göttinger Gymnasien und dem Internat Solling in Holzminden besuchten am 7. Juli die PFH. Anlass war der 15. Gesellschaftspolitische Diskurs zum Thema "Was sollen und können wir tun? Migration und Flüchtlingsströme nach und in Europa". Moderator des Diskussionsabends war Dr. Joachim Ahrens, Professor für International Economics.


15. Gesellschaftspolitischer Diskurs

Über 100 Schüler und Studierende diskutierten über Europas Umgang mit Flüchtlingen und Migration.

Eine dreiköpfige Schülergruppe des Theodor-Heuss-Gymnasiums führte in die in der Europäischen Union herrschenden Rahmenbedingungen ein, die das Thema Flucht und Asyl regeln sollen. So erläuterten Pia von Buttlar, Alexander Goeden und Leo Haßbargen Aufbau und Aufgaben von TRITON, die als Nachfolgeorganisation von MARE NOSTRUM vor allem die europäischen Grenzen am italienischen Mittelmeer sichern soll. Auch die Verordnungen Dublin II und Dublin III, welche das Asylverfahren innerhalb der EU regeln, wurden kritisch beleuchtet. Zitate von Politikern warfen zusätzliche polarisierende Schlaglichter auf das Thema.

 

Die vier PFH-Studierenden Laura Bornemann, Adrian Flohr, Maurice Heuer und Nikolas Römermann – alle im zweiten Semester ihres Managementstudiums – umrissen anschließend die Auswirkungen der Flüchtlingsströme auf die Bereiche Politik, Grenzmanagement, Gesellschaft und Wirtschaft in der EU. Dabei skizzierten sie die geplante Quotenregelung zur Verteilung der Flüchtlinge ebenso wie den Verlauf  der Flüchtlingsströme in die EU. Ein Vergleich der Lebenssituation von Migranten in Frankreich und Deutschland verdeutlichte, welche sozialen Konflikte durch mangelnde Integration entstehen können. Die Übersicht über in jüngerer Zeit entstandene Kosten für Grenzsicherungen in Milliardenhöhe schloss die Einführung ab.

 

In der anschließenden Diskussion tauschten die Teilnehmer engagiert ihre Argumente und Meinungen aus. So kritisierte etwa ein Schüler die Bürokratie zur Abwicklung eines Asylverfahrens als zu langwierig und kompliziert. Auch die Zustände in Auffanglagern oder Flüchtlingsunterkünften wurden bemängelt, ebenso die vielerorts übliche soziale Isolation der Migranten, häufig von den Behörden vor Ort durch Auflagen und Verbote noch verschärft. Doch auch Bedenken gegenüber einer freizügigen Flüchtlingspolitik wurden geäußert, die auf das Spannungsfeld zwischen Solidarität und einem Sicherheitsrisiko durch antidemokratische Kräfte hinwiesen. In den Fokus rückte allerdings schnell die Frage zur Motivation der Flüchtlinge: Katastrophale politische, ökonomische und soziale Bedingungen zwingen die Menschen dazu, ihre Heimat zu verlassen. Was muss sich daher in den Herkunftsländern ändern, um die Einwohner zum Bleiben zu bewegen? Und vor allem: Wer ist in der Pflicht, um Veränderungen durchzusetzen, nicht auch die EU selbst? So könnten beispielsweise eine liberale Handelspolitik für afrikanische Agrarprodukte oder Asylberatung direkt in den Herkunftsländern zu einer Verringerung der Flüchtlingszahlen führen. Insgesamt zeigte die Veranstaltung auf, dass die Politik umfangreiche und vielschichtige Probleme angehen muss, um das Thema Flüchtlingsströme differenziert, nachhaltig und human zu lösen.

 

Präsentation der Studierendengruppe

Präsentation der Schülergruppe

 

 

Schulkooperationen der PFH Göttingen

Der "Gesellschaftspolitische Diskurs" widmet sich zweimal jährlich gesellschaftlich oder politischen relevanten Themen, die über rein wirtschaftliche Aspekte hinausgehen. Ziel dabei ist es, eine Plattform zum Austausch von Meinungen und Argumenten zu bieten, welche es Schülern, Lehrern, Eltern und Studierenden erlaubt, die Standpunkte anderer Menschen kennen zu lernen, die eigene Meinung zu überprüfen und neue Argumente zu erfahren. Die Veranstaltungsreihe ist Teil des Schulkooperations-Konzeptes der PFH, das diese intensiv verfolgt, um möglichst frühzeitig mit Jugendlichen in Kontakt zu treten und sie bei ihrer Berufs- und Studienwahl zu unterstützen. Zur Zeit bestehen mit 55 Gymnasien und weiterführenden Schulen bundesweit entsprechende Vereinbarungen. Um diesen Schulkooperationen lebendig und erlebbar zu gestalten, richtet die PFH regelmäßig Veranstaltungen exklusiv für die Schülerinnen und Schüler ihrer Kooperationsschulen aus. Davon profitieren beide Partner: Die Jugendlichen erhalten schon lange vor dem Abitur Einblick in wissenschaftliches Arbeiten und den Studienalltag. Die PFH wiederum hat die Möglichkeit, die Erwartungen potenzieller Studierender kennen zu lernen und sich darauf einzustellen.