01.09.2015
Hochschule

Licht und Schatten: Die Gründerkultur in Deutschland

Im Vergleich zu anderen großen Wirtschaftsnationen hinkt Deutschland in puncto Unternehmensgründungen leider weit hinterher. Doch es gibt Wege hin zu einer gründerfreundlichen Kultur und Anzeichen für Besserung, wie "Digital Entrepreneur" Andreas Dittes im Vortrag am Montag, dem 31. August, zu berichten wusste. Im Rahmen der Reihe "German Mut" hatte der FDP-Landtagsabgeordnete Christian Grascha den Termin initiiert. Prof. Dr. Bernt R. A. Sierke leitete die Veranstaltung als Gastgeber ein.


Gründervortrag Andreas Dittes

Prof. Dr. Frank Albe, Felicitas Oldenburg, Christian Grascha (beide FDP), Andreas Dittes und Prof. Dr. Bernt R. A. Sierke (v.l.n.r.)

Startups und Gründungskultur sind für Sierke ein Herzensanliegen und an der Unternehmer- und Gründerhochschule PFH sind diese Themen fest verankert, insbesondere über das hochschuleigene ZE Zentrum für Entrepreneurship. Doch damit schwimmt die PFH Göttingen momentan eher gegen den Strom: In Zeiten des wirtschaftlichen Aufschwungs geht die Zahl von Unternehmensneugründungen in Deutschland zurück, weil sich nun noch mehr Fachkräfte für das sichere Arbeitnehmerverhältnis entscheiden, wie Grascha die Vortragsteilnehmer erinnerte.

 

Ebenfalls gegen den Strom schwimmt Andreas Dittes. Der 31-Jährige bezeichnet sich selbst als "Digital Entrepreneur", war an mehreren Unternehmensgründungen beteiligt und gibt sein Know-how mittlerweile auch an Studenten und junge Gründungsinteressierte weiter. Während des eigenen Studiums hatte Dittes zunächst nur über Startups gebloggt. Dann entschied er sich für den Studienabbruch, um selbst mit unternehmerischen Ideen durchzustarten. Heute ist er Geschäftsführer von Talentwunder, einem Unternehmen, das mit Big-Data-Analysen neue Möglichkeiten in der Personalvermittlung schafft. Außerdem ist er Lehrbeauftragter für neue Medien und digitales Marketing, veranstaltet Innovations-Events – sogenannte Hackathones – für Softwareentwickler und berät Startups.

 

In seinem Vortrag zeigte Dittes auf, wie sich Gründerkultur entwickeln kann. Ein positives Beispiel ist der "Startup-Hub" Berlin, wo sich vor allem IT-Neugründungen tummeln. "Wenn ein Jungunternehmer am Prenzlauer Berg in die Kneipe geht, trifft er dort mit hoher Wahrscheinlichkeit auf andere Gründer. Durch diesen Austausch lernen die Startups voneinander", so Dittes. Die Berliner Gründerszene wächst kontinuierlich und bietet viele Chancen. Von globalen Hotspots wie dem Silicon Valley ist man dennoch weit entfernt. "Dort verdienen Softwareentwickler noch einmal doppelt so viel", weiß er.

 

Gründern rät er, die Wirksamkeit ihrer Geschäftsidee ständig zu evaluieren und ihr Konzept daraufhin im laufenden Prozess immer wieder zu optimieren. Deshalb seien schwerfällige Instrumente wie ein ausführlicher Business-Plan auch für viele Startups ungeeignet, würden von Investoren und staatlichen Förderstellen aber leider noch fast immer als Beurteilungsgrundlage verlangt. Außerdem sollten sich deutsche Gründer ihren Hang zum Perfektionismus abgewöhnen, so Dittes. "Lieber früh an den Markt gehen, mehr Kritik einstecken und dann davon lernen", empfahl der Unternehmer.