Kunst trifft Business - 10. Business Breakfast der PFH
Hochschule

Kunst trifft Business - 10. Business Breakfast der PFH

"Bilder malen ist Beruf, Bilder zu verkaufen ist die Kunst": Unter diesem Motto hielt Evdokia Kulikova das Breakfast-Statement beim zehnten Business Breakfast der PFH. Auf Einladung von Prof. Dr. Bernt R. A. Sierke gab die in Moskau geborene Künstlerin bei dem Netzwerktreffen am 18. Februar 2016 einen Einblick in ihr Werk. Zugleich zeigte sie den rund 60 Gästen auf, vor welchen Schwierigkeiten Künstler stehen, wenn sie mit ihrer Arbeit Geld verdienen möchten oder müssen.

10. Business Breakfast: Sierke und Kulikova.

Künstlerin Evdokia Kulikova mit Prof. Dr. Bernt R. A. Sierke vor dem Gemälde "Success".

Kulikova absolvierte ihr Kunststudium an der Stroganov Moscow State University of Arts and Industry und erlernte anschließend bei ihrem Vater, einem der führenden Juweliere der damaligen UdSSR, den Beruf der Goldschmiedin. Sie ist Mitglied im renommierten russischen Künstlerverband und belegte mit ihren Arbeiten Top-Platzierungen bei internationalen Designwettbewerben. 1988 erhielt sie eine Einladung nach Italien und entwarf ein neues Schmuckkonzept für eine Juwelier-Manufaktur. 1996 wagte sie den Neuanfang in Deutschland und kehrte erst 2008 zur Malerei zurück. Seit 2010 hatte Kulikova umfangreiche Ausstellungen in mehreren deutschen Städten. Auch ihre letzte Ausstellung in Göttingen "Nackt vor dem Gesetz" sorgte für große Aufmerksamkeit.

 

An der PFH zeigte und erläuterte sie Öl- und Acrylgemälde, die sich auf hintergründige Weise mit Themen der Business-Welt auseinandersetzen. Daneben waren aber auch einige Personenporträts sowie ihre Installation "Sakramente" zu sehen, die auf das letzte Abendmahl Jesu Bezug nimmt.

 

Eine ungewohnte Interpretation der Karriereleiter zeigte Kulikova etwa mit ihrem Werk "Das Blau kommt von Oben": Das Acrylbild zeigt Wanderer auf dem Weg zur Bergspitze vor einem Himmel in vielen blauen Schattierungen. Die Wanderer symbolisieren Menschen in unterschiedlichen Karrierephasen, die allesamt nach oben streben. Mit Tatendrang starten sie vor einem hellen Hintergrund. Doch oben wird der Weg nicht leichter, sondern beschwerlicher und der Himmel verdüstert sich. Im Ölgemälde "Jour fixe" stellt die Künstlerin hingegen ein Unternehmensteam aus Chef und Mitarbeitern in Form ihrer Schuhe dar. Die Lackschuhe der Führungskraft stehen in der Mitte eines Meetings, die Stellung der weiteren Schuhe und Stiefel ringsherum symbolisieren unterschiedliche Mitarbeitertypen. Einige parieren in Reih und Glied hinter dem Chef – von ihnen sind keine Widerworte zu erwarten. Andere Schuhe wirken frei und beweglich, wieder andere haben sich abgewendet oder liegen am Boden.     

 

 

Verkaufen ist die Kunst

Doch Kulikova erläuterte nicht nur ihre Werke, sondern ging auch auf das wirtschaftliche Dilemma ein, in dem viele Künstler stecken. "Bilder von schönen Blumen passen besser ins Wohnzimmer, doch es ist nicht das, was ich malen will", so die Northeimerin. Die Herausforderung bestehe darin, dem eigenen Stil treu zu bleiben und trotzdem Kaufinteressenten zu gewinnen. Dazu passe auch ein Zitat Picassos: "Ein Maler ist ein Mann, der das malt, was er verkauft. Ein Künstler ist dagegen ein Mann, der das verkauft, was er malt."

 

Kulikova berichtete aber auch von einem Kunden, der ein gekauftes Bild nach kurzer Zeit wieder zurückbrachte. Das Gemälde mit dem Titel "Success" zeigt einen großen Tisch, an dem nur für eine Person gedeckt ist. Feinstes Porzellan mit Goldrand und edles Silberbesteck sind zu sehen. Der Käufer platzierte das Bild im Esszimmer. Doch am nächsten Morgen war der Geschäftsmann tief betroffen: Er erkannte sich selbst, seinen Erfolg und seine Einsamkeit, in dem Acrylbild wieder. Kulikova erhielt es zurück und verzeichnet die Geschichte dennoch als Erfolg. Denn das Gemälde hat einen Menschen berührt und damit seinen Zweck erfüllt.

 

Vor und nach dem Breakfast-Statement fanden die geladenen Gäste – darunter viele Unternehmer und Entscheidungsträger aus Südniedersachsen – Gelegenheit, Kulikovas Werke selbst in Augenschein zu nehmen und eigene Interpretationen zu finden.