News und Aktuelles an der PFH Göttingen
08.11.2016
Campusstudium

Praxisvortrag: Textil-Discounter KiK im Wandel

Über die Entwicklung des Textil-Discounters KiK und die Neuausrichtung von Marke und Filialen berichtete Patrick Zahn am 7. November. Der 40-Jährige ist Vorsitzender der Geschäftsführung von KiK und BWL-Absolvent der PFH aus dem Jahr 2002. Auf Einladung von Prof. Dr. Hans-Christian Riekhof besuchte er seine Hochschule für einen Praxisvortrag.


Prof. Dr. Hans-Christian Riekhof, Patrick Zahn

KiK-Geschäftsführer und PFH-Alumnus Patrick Zahn (rechts) referierte auf Einladung von Prof. Dr. Hans-Christian Riekhof an der PFH.

Den Textil-Discounter KiK riefen Stefan Heinig als Gründer und die Tengelmann-Gruppe als Investor 1994 ins Leben. Mit dem Ziel, Kleidung 'für die breite Masse' anzubieten, wuchs das Unternehmen in den Folgejahren stetig und breitete sich von Deutschland zunächst nach Österreich, dann in viele Länder Osteuropas und zuletzt in die Niederlande aus. Aktuell gibt es über 3.400 KiK-Filialen, der Bruttoumsatz des Unternehmens liegt bei 2,2 Milliarden Euro jährlich. Als ein Erfolgsrezept in der Anfangszeit sieht Zahn den direkten Textilimport: "Als eines der ersten Unternehmen haben wir von Anfang an auf Direktimporte unserer Kleidung gesetzt. Erst nach und nach haben andere Textilanbieter nachgezogen und verzichten mittlerweile ebenfalls auf den Zwischenhandel."

 

Doch nach vielen Jahren des Wachstums deutete sich eine Stagnation an. "Deshalb haben wir 2012 das KiK-Konzept komplett in Frage gestellt und die Marke neu ausgerichtet", erläuterte Zahn. Logo und Filial-Design erhielten daraufhin eine Generalüberholung: Die dominante Farbe Rot, die für das Billigimage von KiK stand, trat in den Hintergrund. Neue Flächenfarbe im Logo und Hauptfarbe in der Filialgestaltung wurde Silber. Die Kunden finden nun eine ansprechende Möblierung vor, auf der Kleidung und Non-Food-Ware nach festgelegten Konzepten präsentiert werden. Vorher hatte KiK fast ausschließlich Drehständer, Metallkörbe und einfache Verkaufstische eingesetzt.

 

 

Bis zu 600 Filialen pro Jahr umgebaut

Auch die übergroßen Preisschilder und das Durcheinander unterschiedlicher Textbotschaften hat KiK aus seinen Filialen verbannt. Mithilfe von Marktforschern definierte die Unternehmensführung klar abgegrenzte Zielgruppen und verabschiedete sich konsequent von Sortimentsbestandteilen, die sich nicht an diese Gruppen richten. "Von 2012 bis 2016 haben wir bis zu 600 Filialen pro Jahr umgebaut. Dies war ein enormer Kraftakt", so Zahn. Für die Wiedereröffnung wurden die umgestalteten Filialen außerdem vollständig mit neuer Ware ausgestattet. Die Kunden belohnten den Aufwand: Nach dem Remodeling konnten die Filialen ihren Umsatz häufig um einen mittleren zweistelligen Prozentsatz steigern.

 

Doch auch auf die Schattenseiten des globalen Textilhandels ging Zahn ein. Bei Fabrikeinstürzen und Bränden in Bangladesch sind in den vergangenen Jahren viele Arbeiter ums Leben gekommen. An den betroffenen Standorten wurde zum Teil für KiK, allerdings ebenso für zahlreiche höherpreisige Anbieter aus Europa produziert. "Diese Tragödien machen uns tief betroffen und wir haben die Kontrolle unserer lokalen Partnerunternehmen seit den Unglücken noch einmal deutlich intensiviert", erklärte der Alumnus. Im Hinblick auf die Produktionsstandards und Arbeitsbedingungen seiner Zulieferer befände sich KiK inzwischen im Mittelfeld der Textilunternehmen, dennoch möchte man weiter an Verbesserungen arbeiten. "Doch für die Menschen vor Ort wäre es in jedem Fall die schlechteste Lösung, Bangladesch als Produktionsort einfach aufzugeben und so vielen die Existenzgrundlage zu nehmen", so Zahn.

 

Zum Abschluss berichtete der Geschäftsführer von seinem beruflichen Werdegang. Zahn hatte sich früh auf den Bereich Handel festgelegt und kam nach Stationen bei Aldi und Plus zu KiK. Seit Anfang 2016 ist Zahn der erst dritte vorsitzende Geschäftsführer in der Firmenhistorie. Nach dem Vortrag diskutierte Zahn die Entwicklung und Ausrichtung des Textil-Discounters noch intensiv mit den Managementstudierenden der PFH.