29.03.2017
Hochschule

Rulebreaker beim Business Breakfast

Rulebreaker sind Menschen, die Denkroutinen und ungeschriebene Gesetze brechen, um die Welt zu verändern. Trendforscher Sven Gábor Jánszky hat untersucht, wie Rulebreaker denken und wie sie ihre Ziele erreichen. Einen Einblick in diese Erfolgsgeschichten gab Jánszky den über 80 Führungskräften und Unternehmern, die das zwölfte Business Breakfast der PFH am 28. März auf Einladung von Initiator Prof. Dr. Bernt R. A. Sierke besucht haben.


Business Breakfast der PFH: Sven Gábor Jánszky und Prof. Dr. Bernt R. A. Sierke

Auf Einladung von Prof. Dr. Bernt R. A. Sierke (r.) referierte Trendforscher Sven Gábor Jánszky beim Business Breakfast über "Rulebreaker". Eine weitere Zusammenarbeit ist geplant.

Kein junger IT-Innovateur, sondern der heute 77-Jährige AIDA-Gründer Horst Rahe ist für Jánzsky das erste Paradebeispiel eines Regelbrechers. Bevor Rahe in den 1990er Jahren mit seinen Ideen die Kreuzfahrtbranche auf den Kopf stellte, galten seit vielen Jahrzehnten die immer gleichen Regeln: Kreuzfahrten waren spießig-langweilige Luxusreisen für betuchte Rentner, die sich abends vom befrackten Ober ein edles Essen servieren ließen. Rahes Konzept einer "Kreuzfahrt für alle" zum Preis von 1.500 DM erschien demgegenüber als illusionär und zunächst auch als nicht kreditwürdig. Als Rahe schließlich doch der Brancheneinstieg gelang, hinterfragte er, was den Schiffsgästen wirklich wichtig ist und auf welchen Luxus sie gerne verzichten können. Außerdem entwickelte er Ideen, um ein jüngeres Publikum an Bord zu holen. Heute funktioniert fast das gesamte Kreuzfahrt-Business nach den neuen Regeln Rahes – die alten ungeschriebenen Gesetze sind abgelöst.

 

 

Bereit machen zum Mitgestalten

Neben dem Blick auf Rulebreaker der Vergangenheit schaute Jánszky mit den Gästen des südniedersächsischen Netzwerktreffens auch auf bevorstehende Regelbrüche der Zukunft: Genanalysen, 3D-Druck, selbstfahrende Autos und Quantencomputer, deren Intelligenz das menschliche Gehirn in ein paar Jahrzehnten in den Schatten stellen könnte – in allen diesen Bereichen bahnen sich weltverändernde Regelbrüche ein, die man mutig mitgestalten solle.

 

Wie es gelingen kann, gewohnte Denkmuster hinter sich verlassen, erläuterte der Trendforscher am Beispiel des Bundesliga-Fußballs. Im Gespräch mit Thomas Tuchel, Trainer bei Borussia Dortmund, erfuhr er, wie dieser eine zentrale Taktikänderung in die Köpfe der Spieler brachte. "Bei Ballgewinn zur Seitenlinie, dann lang nach vorne spielen und zum Tor flanken – dieses Angriffsmuster hatten die Spieler verinnerlicht", erklärte Jànszky. Weil Tuchel aber eine neue Offensivtaktik etablieren wollte, ließ er seine Mannschaft auf einem verkleinerten Spielfeld trainieren: Er zog neue Außenlinien ein, die von den Enden der Mittellinie diagonal auf das Tor zuliefen. So waren die Spieler gezwungen, neue Angriffswege zu gehen.  

 

Schließlich forderte Jánsky seine Zuhörer im sehr gut gefüllten PFH-Foyer auf, selbst zum Rulebreaker zu werden: "Welche ungeschriebenen Gesetze gibt es in Ihrer Branche? Und wann haben Sie das letzte Mal bewusst versucht, eine alte Denkroutine zu durchbrechen?", konfrontierte er sie. So war es nicht verwunderlich, dass der Vortrag in eine angeregte Diskussion über Rulebreaker, Zukunft, Technik und Werte mündete.

 

 

Auftakt für weitere Zusammenarbeit

Für Jánszky war der Vortrag beim Business Breakfast dabei nur der Auftakt für eine langfristige Zusammenarbeit in Forschung und Lehre mit der Hochschule. Bereits im Sommersemester wird Jánszky außerhalb des Curriculums Veranstaltungen für Management-Studierende anbieten und auch ein gemeinsames Forschungsinstitut ist angedacht, wie Sierke, geschäftsführender Gesellschafter der PFH-Trägergesellschaft, erläuterte.

 

 

Zur Person

Sven Gábor Jánszky ist Chefstratege und Chairman des 2b AHEAD ThinkTanks. Der 39-Jährige ist in Budapest und Chemnitz aufgewachsen, hat in Leipzig Journalismus und Politikwissenschaft studiert und anschließend als Redakteur, Moderator und Primetime-Anchor bei verschiedenen ARD-Stationen gearbeitet. Heute leitet er Innovations-Workshops und Strategietage, ist Buchautor und hat Lehraufträge für die Universität Leipzig und die Karlshochschule International University Karlsruhe inne. Als Trendforscher ist Jànszky zwei Jahre lang quer durch Deutschland zu den wichtigsten Rulebreakern der deutschen Wirtschaft gefahren. Zuerst hat er sie beobachtet, später ganz offen mit ihnen über ihr Leben und ihre Strategien diskutiert. Er hat analysiert, wie sie durch bewusste Regelbrüche Innovationen entdecken und wie sie sich gegen die Übermacht der Bedenkenträger durchsetzen.

 

 

Fotogalerie

Bildimpressionen vom 12. Business Breakfast der PFH