News und Aktuelles an der PFH Göttingen
Alumni-News Campusstudium

Die Digitalisierung von Geschäftsmodellen

Mit Heiko Reinhard und Matthias Arnheiter waren auf Einladung Prof. Dr. Hans-Christian Riekhofs am 4. Juni zwei PFH-Alumni als Referenten zu Gast. "Digitalization and Technology – From Vision to Execution" lautete das Thema ihres Praxisvortrages. Reinhard, Absolvent von 2005, ist nach Stationen als CEO & President bei Sycor Americas Inc. und IT Director Sycor North America heute CIO bei Ottobock Healthcare in Duderstadt. Arnheiter, Absolvent von 2003, arbeitet als Head of Corporate Strategy bei der Immobilienbank Berlin Hyp AG. Insofern sind beide zwar in ganz verschiedenen Branchen tätig, müssen sich aber beim Thema Digitalisierung der Geschäftsprozesse prinzipiell den gleichen Herausforderungen stellen.

Reinhard eröffnete den gemeinsamen Vortrag. Im ersten Schritt erläuterte er den theoretischen Hintergrund und die Definition des Begriffes "Digitalisierung", wie diese traditionelle Unternehmen beeinflusst und völlig neue Geschäftsmodelle schafft. Als Beispiele nannte er facebook als größten Medienkonzern der Welt, der aber selbst gar keine Inhalte erschafft; AirBNB als Vermittler von Ferienunterkünfte, der kein einziges Hotel betreibt; Uber als Taxiunternehmen, das keine eigene Fahrzeugflotte unterhält. Arnheiter ergänzte als Beispiel den Axel Springer Verlag, der innerhalb von sechs Jahren sein komplettes Geschäftsmodell ausgetauscht hat. Schon 2014 machte dieser nach vorangegangenen sehr hohen Investitionen 72 Prozent seines Umsatzes mit digitalen Produkten. Im zweiten Teil des Vortrages ging Reinhard auf die "Digital Journey" von Unternehmen ein und erklärte, nach welchen Kriterien man diese in Bezug auf die Zukunftsfähigkeit ihrer digitalen Geschäftsmodelle kategorisieren kann. Dabei gibt es zwei Dimensionen: die Kundenerfahrung ("Customer Experience"), die bei positiver Entwicklung zu Umsatzwachstum führt, und die Effizienz von Geschäftsprozessen ("Operational Efficiency"), die bei gelungener Umsetzung Kostenreduktion bewirkt.

 

Danach sprach Reinhard zum Thema technologische Trends. Wichtig ist es dabei zu unterscheiden, ob es sich bei einer Innovation tatsächlich um einen langfristigen Trend handelt oder ob etwas nur "trendy" ist, aber irgendwann verpufft. Ein echter Trend ist eine Neuerung dann, wenn sie die folgenden Merkmale aufweist: Sie wird vorangetrieben von einem echten Bedarf in ihrem jeweiligen Markt; sie ist gleichzeitig zeitgemäß und von einer gewissen Konstanz; sie entwickelt sich nach ihrem Aufkommen immer weiter und ist nicht statisch; sie weist Bezugspunkte zu anderen Innovationen auf. Schließlich gingen die beiden Referenten in mehreren Fallbeispielen darauf ein, wie die Digitalisierung traditionelle Geschäftsmodelle ändern kann oder schon geändert hat. Beispielsweise nannte Reinhard Sanitätshäuser, in denen Orthopädietechniker heute noch sehr handwerklich und zeitaufwändig individuelle Prothesen für ihre Patienten bauen. Die damit zusammenhängenden Prozesse sollen mit zum Beispiel Scannen der Patienten oder 3-D-Druck der Prothesen künftig nach und nach digitalisiert werden. Am Ende gab Reinhard auch noch Karrieretipps an die Studierenden im Publikum: Sie sollen immer sie selbst bleiben und sich einen Arbeitgeber suchen, der ihren persönlichen Werten entspricht. Außerdem nicht immer nach den großen Namen schielen: Auch die Hidden Champions bieten hervorragende Karrierechancen. Und hat man es dann zu einer Anstellung im Wunschunternehmen geschafft, ist der Aufbau eines internen Netzwerkes unerlässlich für die weitere Karriere.