16.01.2018
Hochschule

Digitale Transformation bei der Otto Group

Petra Scharner-Wolff ist in Göttingen geboren, hat in der Leinestadt studiert und zählt heute zu den einflussreichsten Managerinnen Deutschlands. Am 12. Januar war die Konzern-Vorständin für Finanzen der Otto Group in der PFH Private Hochschule Göttingen zu Gast. Ihr Vortrag fand im Rahmen der Reihe "PFHmeets" statt, in der die Hochschule in lockerer Folge Persönlichkeiten aus Wirtschaft und Wissenschaft einlädt. Prof. Dr. Hubert Schüle (Wirtschaftsinformatik und E-Business) hat den Vortrag initiiert und moderiert.


Petra Scharner-Wolff

Zu Gast in ihrer Geburtsstadt: Otto-Managerin Petra Scharner-Wolff.

Petra Scharner-Wolff, Prof. Dr. Hubert Schüle

Den Vortrag von Petra Scharner-Wolff hat Prof. Dr. Hubert Schüle intiiert und moderiert.

Seit 1999 ist Scharner-Wolff für den Otto-Konzern tätig. "Vor 18 Jahren waren Quelle und Neckermann unsere größten Konkurrenten, heute sind es die Online-Giganten Amazon, Ebay, Google, Apple und Alibaba", erklärte sie den mehr als 90 Zuhörern. Mit dem Blick auf die Konkurrenz wies die Referentin auf das veränderte Geschäftsmodell von Otto hin: "Der Otto-Katalog sorgte früher für 80 Prozent des Umsatzes. Heute sind es nur noch zwei bis drei Prozent – 90 Prozent entfallen auf den Online-Handel." 

 

Die Konkurrenten von damals haben den Veränderungsprozess durch das Internet nicht überstanden. Über Tochtergesellschaften sind die Marken mittlerweile Teil der Otto Group. Doch otto.de hat sich hinter Amazon zum zweitumsatzstärksten Online-Shop in Deutschland entwickelt. Außerdem verfügt der Konzern über starke Marken wie bonprix, MyToys und About You und zählt auch den Lieferdienst Hermes zur Firmenfamilie. Der jährliche Umsatz kletterte zuletzt auf 12,5 Milliarden Euro. 

 

 

Die richtige Geschwindigkeit finden

"Entscheidend ist, die richtige Transformationsgeschwindigkeit zu finden: Einerseits darf man sich nicht abhängen lassen, andererseits darf es auch nicht zu schnell gehen, wenn man die Bestandskunden im Prozess mitnehmen möchte", so Scharner-Wolff. Dabei findet die Veränderung noch lange kein Ende: Weil sich die Handelswelt immer schneller wandelt, bleibe Otto in permanenter Restrukturierung. Auch die Anforderungen an die Mitarbeiter haben sich geändert. Datenmanagement und IT-Know-how sind heute in den meisten Bereichen wichtiger als Kreativität und Verkäufer-Gen. 


Als Beispiel nannte Scharner-Wolff den Wareneinkauf: "Früher waren unsere Einkäufer weltweit auf Messen unterwegs, um Produktneuheiten zu begutachten. Heute muss es viel schneller gehen: Wir beobachten datenbasiert, welche Artikel online gerade im Kommen sind und in unser Angebot aufgenommen werden sollen."

 

 

Eltern im Publikum    

In der anschließenden Diskussion gab die zweifache Mutter auch persönliche Einblicke zur Vereinbarkeit von Familie und Beruf und zu ihrem Werdegang preis. "Es war keineswegs vorherbestimmt, dass die Tochter des Sparkassenvorsitzenden einmal Finanzvorständin wird. Vielmehr gehörte durchaus etwas Glück dazu. Und außerdem braucht man Soft Skills wie Kommunikations- und Anpassungsfähigkeit – mehr als das klassische BWL-Wissen", so Scharner-Wolff. Vater Gerhard Scharner, ehemaliger Vorstandsvorsitzender der Sparkasse Göttingen, und Mutter Gisela verfolgten den Vortrag gemeinsam mit zahlreichen Vertretern aus der regionalen Wirtschaft und Management-Studierenden der PFH.

 

"Erstmals haben wir die Veranstaltungsreihe 'PFHmeets', die bislang den Studierenden vorbehalten war, auch für die interessierte Öffentlichkeit geöffnet. Nach der großen Resonanz möchten wir dies beibehalten", sagte PFH-Präsident Prof. Dr. Frank Albe und weiter: "So ist die Reihe ein weiterer Bestandteil unserer 'Third Mission' neben Forschung und Lehre, welche den wechselseitigen Austausch zwischen Gesellschaft und Hochschule in den Mittelpunkt stellt."