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28.06.2018
Forschung

Doktortitel für Joachim Algermissen

PFH-Alumnus Joachim Algermissen darf sich seit dem 20. Juni Doktor nennen. Der 32-Jährige hat seine Promotion mit dem Titel "Die jüngere deutsche und europäische Wirtschaftsgeschichte im Lichte der Biographie von Hans Tietmeyer" erfolgreich an der Universität Hildesheim verteidigt.


Doktortitel Joachim Algermissen

Mit Dr. Joachim Algermissen (Mitte) freuen sich Stefan Zammit (links, International Office der PFH) und Prof. Dr. Joachim Ahrens (Vizepräsident für Studium und Internationales).

Tietmeyer war von 1993 bis 1999 Präsident der Deutschen Bundesbank. Zuvor war er Staatssekretär im Bundesfinanzministerium sowie Berater Helmut Kohls und in dieser Funktion beispielsweise zuständig für die Vorbereitung der G7-Treffen. "Die Doktorarbeit stellt eine Mischung aus VWL und Wirtschaftsgeschichte dar", erläuterte Algermissen. "Im Kern geht es um eine wissenschaftliche Bewertung des beruflichen Wirkens von Hans Tietmeyer. Er war nicht nur Autor des Lambsdorff-Papiers, das 1982 zur Scheidungsurkunde der sozialliberalen Koalition unter Helmut Schmidt geführt hat, sondern gilt auch als letzter Hüter der D-Mark, der mit äußerst mahnender Stimme die Einführung des Euro begleitet hat", führt Algermissen weiter aus. "Daher liegt ein wesentlicher Schwerpunkt meiner Arbeit auf einer volkswirtschaftlichen, aber auch historischen Bewertung von Tietmeyers damaligen Forderungen für den Euro. Wie sah sein Modell konkret aus und wie ist der Ansatz aus heutiger Perspektive zu bewerten? Wäre eine Umsetzung seines Modells für eine stabile und dynamische Eurozone sinnvoller gewesen? Ich durfte mit Tietmeyer drei Jahre lang eng zusammenarbeiten und habe 25 Stunden Interviews mit ihm geführt. Leider ist er im Dezember 2016 verstorben. Er konnte meine Dissertation aber fast bis zum Schluss begleiten und mit wertvollen Anmerkungen bereichern." Algermissen wertete nicht nur das unveröffentlichte Privatarchiv Tietmeyers aus, sondern interviewte dazu auch dessen Weggefährten und berühmte Zeitzeugen, etwa Michel Camdessus (ehemaliger Exekutivdirektor des Internationalen Währungsfonds), Theo Waigel (ehemaliger Bundesfinanzminister), Wolfgang Schäuble (Bundestagspräsident und ehemaliger Bundesfinanzminister), Jean-Claude Trichet (ehemaliger Präsident der Europäischen Zentralbank), Mario Draghi (Präsident der Europäischen Zentralbank) oder Jens Weidmann (Präsident der Deutschen Bundesbank).

 

Aufgrund des interdisziplinären Themas hatte die Dissertation drei Gutachter aus unterschiedlichen Fachbereichen. An der Universität Hildesheim waren dies Athanassios Pitsoulis, Professor für Wirtschaftswissenschaft, und Michael Gehler, Professor und Leiter des Instituts für Geschichte. Der dritte Gutachter war Lars P. Feld, Professor in Freiburg und Mitglied im Sachverständigenrat zur Begutachtung der gesamtwirtschaftlichen Entwicklung, somit einer der sogenannten "Fünf Wirtschaftsweisen".

 

Vor seiner Dissertation absolvierte Algermissen zuerst das Bachelorstudium General Management an der PFH, anschließend das Masterprogramm Banking and Financial Management sowie den MBA in International Asset Management an der Universität Liechtenstein in Vaduz. Anschließend war er an der PFH als wissenschaftlicher Mitarbeiter tätig. Zusätzlich ist er auch heute noch Dozent im Fernstudium für die Veranstaltung zum Thema Corporate Finance. Seit Oktober 2017 arbeitet er als Büroleiter mit Schwerpunkt Finanz- und Haushaltspolitik für Christian Dürr, den stellvertretenden Fraktionsvorsitzenden der FDP , im Deutschen Bundestag.