Mit Kämpferherz durch Reha und Studium
Fernstudium

Mit Kämpferherz durch Reha und Studium

17 Monate nach ihrer schweren Verletzung ist Profifußballerin Pauline Bremer wieder ganz die Alte. Für Manchester City, derzeit Tabellenführer im englischen Frauenfußball, gab sie Mitte Dezember ihr Comeback. Mittlerweile hat die 22-Jährige aus Göttingen wieder sieben Spiele bestritten und ein Tor erzielt. Die Erfahrung, sich durch die lange Reha-Zeit zurück auf den Platz zu kämpfen, habe sie stärker gemacht, findet Bremer. Mit ähnlichem Durchhaltevermögen absolviert sie neben dem Sport auch ihr BWL-Fernstudium an der PFH Private Hochschule Göttingen.

Pauline Bremer

Mit Laptop und PFH-Fernlehrbrief: Volle Konzentration für ihr Fernstudium findet Pauline Bremer zum Beispiel im Seminarraum von Man City. Foto: Manchester City FC/ Tom Flathers

Pauline Bremer

Den BWL-Studienabschluss fest vor Augen: PFH-Fernstudentin Pauline Bremer. Foto: Manchester City FC/ Tom Flathers

Am 7. Oktober 2017 verletzte sich die deutsche Nationalspielerin nach hartem Tackling einer Gegenspielerin. "Als ich auf mein Bein sah, war mir sofort klar: Es wird lange dauern, bis ich wieder spielen kann", blickt Bremer zurück. Mit einem einfachen Bruch des rechten Schien- und einem dreifachen Bruch des Wadenbeins kam sie in die Klinik. Zwei Tage später stellten die Chirurgen das Bein mit einem langen Nagel wieder her. Es folgte eine Rehabilitationsphase, die sich für die junge Sportlerin unendlich lang anfühlte. Vom Operationssaal bis zum Comeback auf dem Platz vergingen insgesamt 14 Monate.

 

In dieser Zeit, so berichtet Bremer, gab es ein häufiges Auf und Ab. "Manchmal will man zu viel und ist voller Ungeduld, aber der Muskulaturaufbau braucht einfach sehr viel Zeit. Außerdem ist es frustrierend, jeden Tag ohne die Teamkolleginnen zu trainieren. Das ist dann auch eine mentale Herausforderung", so Bremer. Ihr half, sich auf ihr Ziel, das Comeback auf dem Fußballplatz, zu fokussieren. Zudem erhielt sie viel Unterstützung von Familie und Freunden.

 

 

Trainieren und Studieren

Gab die Verletzungspause auch Gelegenheit, an das Leben nach dem Sport zu denken und sich zum Beispiel verstärkt dem nebenberuflichen Studium zu widmen? "Nein und ja", meint Bremer. "Meine Einheiten im Reha-Zentrum dauerten meist sogar länger als das Teamtraining auf dem Platz. Andererseits bekommt der Alltag mehr Regelmäßigkeit, wenn die Reisen zu Auswärtsspielen & Co. entfallen. So hatte ich zwar nicht mehr freie Zeit als sonst, aber es fiel mir leichter, feste Lernzeiten einzurichten", führt Bremer aus. Doch mit ihrem BWL-Fernstudium kommt die Stürmerin ohnehin recht gut voran. Sie ist bereits seit drei Jahren an der PFH eingeschrieben und Stipendiatin im Leistungssportprogramm der Hochschule. So rüstet sie sich für die Karriere nach der Karriere.

 

"Die Flexibilität des Studiums hilft mir sehr, und oft freue ich mich auf die Abwechslung, die mir die BWL-Themen bringen", so Bremer. Damit sie vor Ort auch ihre Klausuren ablegen kann, hat die PFH extra eine Vereinbarung mit der Universität Manchester getroffen, die in ihren Räumen die notwendigen Prüfungsbedingungen schafft. Ihre Fernlehrbriefe arbeitet sie am liebsten in einem der Cafés der englischen Industriestadt oder im Seminarraum ihres Vereins durch. Sie schätzt aber auch den direkten Austausch mit Professoren und Kommilitonen in den Online-Lehrveranstaltungen der PFH.

 

Die Entschlossenheit, mit der sich Bremer durch die zermürbend lange Reha kämpfte, hilft ihr auch im Fernstudium – etwa wenn wieder ungeliebte Module aus dem Rechnungswesen anstehen. "Da ist dann Selbstdisziplin gefragt. Andere Themen, wie Marketing und Unternehmensführung, gehen mir viel leichter von der Hand. Unterm Strich macht mir das Studium viel Spaß, und ich sehe dem Abschluss als stabile Grundlage für die Zeit nach dem Fußball entgegen", so die Südniedersächsin.

 

 

"Come back stronger"

Ihr sportliches Comeback feierte Bremer schließlich am 5. Dezember 2018. Eine Halbzeit lang stürmte sie im englischen Ligapokal gegen Sheffield United wieder für ihr Team. "Es war ein surrealer und toller Moment mit der Mannschaft und den Mitarbeitern – verbunden mit vielen Emotionen, die mich nach dem Spiel fast umgehauen hätten", erinnert sie sich. In den Spielen, die seither vergangen sind, näherte sie sich Stück für Stück der früheren Form an – und man darf gespannt sein, wohin der Weg der 22-Jährigen noch führen wird. Während der Reha-Phase habe sie sich oft mit dem Sportlermotto "Come back stronger" (zu Deutsch: Komm stärker zurück) motiviert, sagt Bremer. Gemeint ist damit vor allem der Zugewinn an mentaler Stärke. Dass dies gelungen ist, nimmt man ihr heute sofort ab. Das wird Pauline Bremer vermutlich noch in vielen Situationen helfen – im Sport, im Fernstudium und im Leben.

 

 

Das Leistungssportprogramm der PFH

Das Leistungssportprogramm hat die PFH ins Leben gerufen, um jungen Sportlern die Möglichkeit zu geben, schon während ihrer aktiven Karriere für eine spätere berufliche Zukunft vorzusorgen. Denn nur einem kleinen Teil der Profisportler gelingt es, während der aktiven Zeit finanzielle Unabhängigkeit für den Rest des Lebens zu erlangen. Und Sportlerkarrieren sind nicht zuverlässig planbar. Eine Verletzung oder eine falsche Entscheidung können dazu führen, dass man sich schnell umorientieren muss. Mehrere Leistungssportler haben bereits erfolgreich ein Fernstudium an der PFH absolviert, zum Beispiel die ehemaligen Basketballprofis Marco Grimaldi und Babis Douloudis vom Erstligaclub BG Göttingen, der frühere Handballnationalspieler Jan Fiete Buschmann (u. a. TSV Hannover-Burgdorf) oder die ehemalige Hockeynationalspielerin Nina Hasselmann.

 

von Martin Wilmsmeier