15.02.2012
Hochschule

6. Business Breakfast: Internet-Startups "Made in Germany"

Von: Peter Diehl

Kommt der nächste Internetgigant aus Berlin? Gleich mehrere gute Gründe hierfür lieferte Dozent Johannis Hatt beim 6. Business Breakfast der PFH den 70 geladenen Gästen. Im Anschluss entstand eine lebhafte Diskussion.


Als „gern gesehenen Gast an der PFH“ stellte Präsident Prof. Dr. Bernt R. A. Sierke den Referenten des Business Breakfast am 15. Februar vor. Der 31-Jährige Johannis Hatt studierte Betriebswirtschaftslehre in Paris, Oxford und Berlin und arbeitete anschließend 3,5 Jahre als Berater bei Roland Berger im Bereich Corporate Finance und Restrukturierung. 2008 war er Co-Gründer von myprinting, einer web2print Plattform mit Spezialisierung auf die Verwertung des Bildmaterials von Onlinepräsenzen.

 

Es gebe gute Gründe dafür, dass eines der nächsten Mega-Internetunternehmen à la facebook, Google oder Amazon aus Berlin kommen könnte, lautete Hatts Eingangsthese. Allein in der Berliner Torstraße – in Szenekreisen bereits „Silicon Allee“ genannt – siedelten sich in den letzten Jahren 50-70 IT-Startups an, die rund 1.000 bis 1.500 Arbeitsplätze geschaffen haben, schätzt der Referent.

 

Optimale Voraussetzungen für IT-Gründer

Gleich fünf Gründe fügte er an, um seine These zu untermauern. In Berlin gebe es gegenwärtig hervorragendes Personal, das auch noch zu relativ moderaten Gehaltskosten zu haben sei. Gleichzeitig ermögliche das internationale Flair der Berliner Gründerszene die Entwicklung von Businessmodellen, die von Anfang an international und damit interkulturell ausgerichtet sind. In seinem eigenen Unternehmen arbeiten beispielsweise 40 Mitarbeiter aus rund 20 Nationen, so Hatt. Auch die weiteren Kosten, zum Beispiel für Büroräume und Infrastruktur seien ein gewichtiges Argument, das für Berlin als Standort spreche. Zwischen 40 und 50 Prozent können Gründer hier gegenüber Standorten wie München sparen. Darüber hinaus verfüge Berlin über eine hervorragende Förderstruktur, insbesondere für Gründer, die aus Hochschulen heraus agieren. So lasse sich mehr Geld als anderswo für die Umsetzung der Geschäftsideen generieren. Als wichtigsten und entscheidenden Standortvorteil für Berlin wertet Johannis Hatt allerdings das riesige Netzwerk aus erfahrenen und jungen IT-Unternehmensgründern, die sich gegenseitig beraten und fördernd zur Seite stehen. Viele IT-Gründer der ersten Ära um 2000 geben ihre Erfahrungen weiter und helfen damit, die Fehler der ersten Dotcom-Blase zu vermeiden.

 

Doch auch auf die Schattenseiten der deutschen Gründungskultur ging Hatt ausführlich ein: Noch immer seien die IT-Gründerstrukturen in Deutschland dezentral aufgestellt: IT-Gründer finden sich zuhauf in Berlin, während die Venture-Capital-Geber dazu in München zentralisiert sind und die großen Vermarkter eher in Frankfurt. Darüber hinaus verhindere die Bürokratie häufig eine schnelle Unternehmensgründung, verglichen mit den USA. Während dort rund 0,12 Prozent des Bruttosozialproduktes in Unternehmensgründungen fließe, ist dies in Deutschland nur ein Drittel dieser Summe. Und schließlich hat das deutsche Gründernetzwerk im Vergleich zu den Strukturen im Silicon Valley einen enormen Zeitrückstand aufzuholen: Dort formierten sich die ersten Netzwerker vor bereits rund vierzig Jahren.

 

Lebhafte Diskusison

Hatts Thesen und Prognosen wurden in der Folge von den rund 70 geladenen Gästen des Business Breakfast lebhaft diskutiert. Wird das Internet künftig ein zusätzlicher Absatzkanal sein oder wird es sich als virtuelle Zweitrealität der Nutzer entwickeln, die sich im „echten Leben“ immer stärker voneinander entfremden? Wie sehr kann Online-Shopping die Lebensqualität jedes Einzelnen erhöhen? Und von wo wird er wirklich kommen, der Business-Coup, der facebook und Google ökonomisch in den Schatten stellt?