„Neugier ist mein größter Motor“ – Warum sich Gesundheitsmanager Martin Trost für ein berufsbegleitendes Studium entschied – und was es verändert hat
Ein Vollzeitjob, Familie, ehrenamtliches Engagement – und dennoch der Entschluss, berufsbegleitend zu studieren: Für viele wirkt das abschreckend. Für Martin Trost, Teamleiter Gesundheitsexperten Marktregion Nordwest bei der Techniker Krankenkasse, war es vor allem eines: eine neue Herausforderung. Der 44‑Jährige hat an der PFH Wirtschaftspsychologie studiert und spricht über seinen Weg, seine Motivation und darüber, warum ein akademischer Abschluss manchmal mehr verändert, als man vorher vermutet.
Im Gespräch mit Gudrun Röhling schildert er, welche Hürden und Aha‑Momente ihn begleitet haben, warum Statistik zum Schlüsselerlebnis wurde – und was er Menschen rät, die mit einem Fernstudium liebäugeln, sich aber noch nicht trauen.
Herr Trost, Sie waren beruflich bereits fest eingebunden. Was hat Sie dennoch dazu motiviert, ein Studium zu beginnen?
Ich war immer neugierig, habe viel gelesen und irgendwann merkte ich, dass sich vieles wiederholt. Da dachte ich: Wenn ich mich ohnehin ständig weiterbilde, warum dann nicht mit einem fundierten Studium? Erst wollte ich Psychologie studieren, kam dann aber über Gespräche und meine beruflichen Themen zur Wirtschaftspsychologie. Die Mischung aus Organisation, Motivation und Marktmechanismen hat mich einfach gepackt.
Wie kam es zur Entscheidung für die PFH?
Die Empfehlung kam tatsächlich aus meinem Netzwerk: Eine Kollegin riet mir zur Wirtschaftspsychologie an der PFH. Die regionale Nähe war ein Faktor, aber auch die Flexibilität. Mir war wichtig, dass ich mir Zeit lassen kann – ohne schlechtes Gewissen, wenn ich mal ein paar Monate nichts mache. Diese Freiheit hat mich überzeugt.
Was hat Sie im Studium besonders gefordert?
Ganz klar: Statistik. Das war anstrengend, aber am Ende ein unglaublicher Lernmoment. Zu verstehen, wie man Daten interpretiert, wie wissenschaftliche Methoden funktionieren – das hat meinen Blick auf viele Themen verändert. Und ja, es gab Module, die mich genervt haben: Qualitätsmanagement etwa. Aber gerade da lernt man Disziplin.
Gab es Lehrende, die bei Ihnen besonders Eindruck hinterlassen haben?
Mein zentraler Ansprechpartner war Professor Weibelzahl. Seine Begeisterung für Statistik und Kennzahlen war ansteckend – so sehr, dass man manchmal dachte: „Jetzt ist aber auch mal gut.“ Aber genau dieses Engagement motiviert. Er hat mir gezeigt, dass man sich in komplexe Themen einarbeiten kann, bis es irgendwann klickt.
Welche Eigenschaften braucht man, um ein Fernstudium neben Job und Familie durchzuhalten?
Neugier, Ehrgeiz und Gelassenheit. Man muss Freude daran haben, sich in Themen hineinzubohren – auch in langweilige. Und man muss akzeptieren: Es läuft nicht immer rund. Eine Pause von einem halben Jahr ist völlig in Ordnung. Wichtig ist, dranzubleiben, ohne sich zu überfordern.
Sie haben das Studium komplett privat finanziert. Welche Rolle spielte diese Entscheidung?
Für mich war Bildung immer etwas, das man nicht hoch genug schätzen kann. Bücher und Weiterbildung – dafür gebe ich gerne Geld aus. Wenn jemand für ein Studium einen Kredit braucht, sollte er ihn aufnehmen. Das ist eine bessere Investition als ein neues Auto. Ein akademischer Abschluss verliert nie an Wert.
Hat sich Ihr Studium denn beruflich ausgezahlt?
Nicht im Sinne einer klassischen „Karriereleiter“. Meine Position hätte ich auch ohne Abschluss. Aber man wird anders wahrgenommen. Gerade wurde ich etwa als Berater für das Bundesgesundheitsministerium eingeladen – für ein Gespräch zur Prävention in der Pflege. Ob der Abschluss dabei eine Rolle spielte? Möglich. Sicher ist: Ich kann auf akademischem Niveau mitdiskutieren, ohne den Kontakt zur Praxis zu verlieren.
Sie wirken insgesamt sehr getrieben von Neugier und Weiterentwicklung. Was steht als Nächstes an?
Ehrlich gesagt: Schon wieder etwas Neues. Themen wie eigene Gründungsprojekte reizen mich sehr. Lebenslanges Lernen ist für mich ein Lebensprinzip.
Über Martin Trost
Leiter Gesundheitsmanagement einer großen Krankenkasse für den Bereich Nordwest, ehemaliger Vorstand der Wirtschaftsjunioren, Bachelor in Wirtschaftspsychologie (PFH). Spezialisiert auf Prävention, Organisationsentwicklung und gesundes Arbeiten. Martin Trost lebt in Göttingen.
Photocredit: PFH