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Schule und ADHS - Jeder weiß Bescheid!?

In ihrem Vortrag bei der Nacht des Wissens 2015 in Göttingen erörterte Prof. Dr. Martina Ruhmland die Rolle der Lehrkräfte in Bezug auf die Thematik ADHS (Aufmerksamkeits-Defizit-Hyperaktivitäts-Störung). ADHS tritt oftmals bereits im frühen Kindesalter auf. Zuweisungen zu Fachleuten erfolgen jedoch erst in den Grundschuljahren, meist ab der zweiten und dritten Klasse. Dies liegt darin begründet, dass die Symptome (Störungen der Aufmerksamkeit, der motorischen Aktivität und der Impulskontrolle) oftmals erst in der Schule (als Störung?) erkannt werden, da die Anforderungen an Kinder in dieser Phase zunehmen. Von ihnen werden Aufmerksamkeit und ruhiges, selbstkontrolliertes Arbeiten erwartet, was mit ihrer gestörten (eingeschränkten?) Leistungsvoraussetzung kollidiert. Somit sind es oft Lehrer, die die Diagnostik veranlassen und insofern unterstützen, da ihre Rückmeldungen über das Verhalten zur Diagnosestellung beitragen. Sie spielen jedoch auch in der Behandlung von Kindern mit ADHS eine wichtige Rolle: Lehrern, die ruhig bleiben, über Wissen bezüglich Interventionstechniken verfügen, mit interdisziplinären Teams kooperieren und eine positive Einstellung gegenüber Kindern mit speziellen Bedürfnissen haben, ist es möglich, positiven Einfluss auf Erfolge der Schüler mit ADHS auszuüben. Dies beinhaltet sowohl die schulischen Leistungen als auch das Verhalten der betroffenen Kinder. Wird ADHS nicht behandelt, verläuft die Störung oft chronisch. Betroffene Personen weisen häufig auch noch im Jugend- und Erwachsenenalter Symptome auf und tendieren dazu, weitere psychische Störungen wie Angststörungen oder Depressionen zu entwickeln.

 

Ruhmland erläuterte in ihrem Vortrag die Auslöser der Symptome (genetische Ursachen, Nahrungsmittelbestandteile, Mangel an ungesättigten Fettsäuren, psycho-soziale Bedingungen), räumte mit Vorurteilen auf und forderte eine umfassende und gründliche, verschiedene Lebensbereiche des Kindes berücksichtigende Diagnostik. Erst dann könne eine erfolgreiche Behandlung auf verschiedenen Ebenen (Anpassung der psycho-sozialen Bedingungen, Verhaltenstherapie, Neurofeedback, medikamentöse Behandlung) erfolgen.

Der Vortrag als Video