Wie der Generationenwechsel gelingt - Beatrice Rodenstock spricht beim Business Breakfast der PFH
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Wie der Generationenwechsel gelingt - Beatrice Rodenstock spricht beim Business Breakfast der PFH

Göttingen, 03.07.2019. Fast 90 Prozent der deutschen Unternehmen sind in der Hand von Familien. Sie sorgen für mehr als die Hälfte der privatwirtschaftlichen Jobs und des Umsatzes. Auch Beatrice Rodenstock stammt aus einem prominenten Familienunternehmen. Heute berät sie andere Unternehmerfamilien. Über ihr Kernthema, den Nachfolgeprozess, sprach sie beim Business Breakfast an der PFH Private Hochschule Göttingen. Zu dem regionalen Netzwerktreffen am 2. Juli hatte Prof. Dr. Bernt R. A. Sierke, geschäftsführender Gesellschafter der PFH-Trägergesellschaft, geladen. 80 Führungskräfte und auch Familienunternehmer aus Südniedersachsen nahmen daran teil.

Bernt R. A. Sierke, Beatrice Rodenstock

Beatrice Rodenstock und Prof. Dr. Bernt R. A. Sierke beim PFH Business Breakfast. Foto: PFH

Bernt R. A. Sierke, Beatrice Rodenstock

Foto: PFH

"In den kommenden Jahren steht für jährlich 70.000 deutsche Familienunternehmen ein Generationenwechsel an", macht Rodenstock gleich zu Beginn deutlich. Stärker als früher kommen heute Nachfolgelösungen in Frage, bei denen ein erfahrener Mitarbeiter oder ein Externer die Verantwortung erhält. Doch noch in 56 Prozent der Wechsel soll ein Familienmitglied das Ruder übernehmen. Vor allem diesen Fällen widmet sich Rodenstock. Denn allzu oft gelingt bereits die Übergabe von der ersten auf die zweite Generation letztlich nicht. "Viele Übergaben werden schlecht und zu spät vorbereitet", so Rodenstock. Die ältere Generation schiebe das Thema gerne auf die lange Bank. Den Seniorchefs falle es schwer, sich rechtzeitig zurückzuziehen, und sie kommunizieren das Thema nicht ausreichend mit ihren potenziellen Nachfolgern und der Belegschaft. 

 

Den Nachfolgern raube dies die Motivation. Zudem sei ein Mentalitätswandel zu beobachten, der viele von vornherein vor der Übernahme zurückschrecken lasse. "Die Risikobereitschaft geht zurück und ein Unternehmerleben nach dem Motto 'selbst und ständig' können sich viele nicht mehr vorstellen", so Rodenstock. Umso wichtiger sei es, frühzeitig mit miteinander zu sprechen, Wünsche und Ziele zu klären und passende Lösungen zu erarbeiten. 

 

Einblick in fünf Generationen Rodenstock

Welche Probleme in Nachfolgeprozessen lauern, weiß Beatrice Rodenstock aus familiärer Erfahrung nur zu gut. Ihr Ururgroßvater Josef hatte das Unternehmen im Jahr 1877 gegründet, danach wurde es dreimal immer an den erstgeborenen Sohn weitergegeben. Doch der Wechsel von Großvater Rolf zu Vater Randolf brachte es zeitweise in Turbulenzen. "Nach der Übergabe an meinen Vater ist mein Großvater noch 13 lange Jahre mit in der Geschäftsführung geblieben. Dies war weder für das Unternehmen noch für die Familie angenehm, denn beide Männer hatten unterschiedliche Ziele", gab Rodenstock preis. Aus alter Gewohnheit seien die meisten Mitarbeiter zur Klärung betrieblicher Belange weiterhin zum Großvater gegangen, später gab es Grüppchenbildung rund um die beiden Chefs. Der Umsatz ist in dieser Zeit eingebrochen. Erst nach 13 Jahren hat ein klärendes Gespräch die Rollenverteilung geordnet und das Unternehmen in ruhigeres Fahrwasser gebracht.

 

Tochter Beatrice und ihrem jüngeren Bruder hat der Vater indes früh klar gemacht, dass sie das Unternehmen nur dann übernehmen sollen, wenn sie aus freien Stücken dazu bereit sind und bestimmte Voraussetzungen erfüllen. "Er hat uns den Druck genommen, Rodenstock übernehmen zu müssen. Bedingung für eine Nachfolge war außerdem, dass wir externe Erfahrung sammeln und am Ende schlichtweg gut genug sind", so Rodenstock. Weil dann jedoch ein Investor ins Haus geholt werden musste, blieb der Weg versperrt und die Frage hatte sich vorzeitig erübrigt.

 

Heute leitet Rodenstock die Rodenstock-Gesellschaft für Familienunternehmen und unterstützt Unternehmerfamilien bei Nachfolgeprozessen und der Entwicklung von Familien-Strategien. Zudem vertritt sie als Geschäftsführerin des eigenen Family Offices und Gesellschafterin der Optischen Werke G. Rodenstock die Belange ihrer Familie.

 

Business Breakfast der PFH

Ein hochkarätiger Vortrag, viel Zeit zum Netzwerken und ein reich gedecktes Frühstücksbuffet: Mit diesem Konzept lädt die PFH mehrmals pro Jahr zum Business Breakfast ein. Die Veranstaltung hat sich als ein ungezwungenes Business-Forum für Südniedersachsen etabliert, viele Unternehmensverantwortliche aus der Region besuchen das Treffen regelmäßig. Als Ausgangspunkt für einen lockeren Austausch dient dabei stets das sogenannte Breakfast-Statement.