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22.04.2014
Pressemeldungen

Hybride Werkstoffe: Die Zukunft ist bunt - DGM-Konferenz "Euro Hybrid" tagte erstmals in Stade

Göttingen/Stade, 22.04.2014. Werden Flugzeuge und Fahrzeuge in Zukunft eher aus Metallen oder eher aus faserverstärkten Kunststoffen gebaut? "Sowohl als auch" lautet wohl die Antwort der über hundert Teilnehmerinnen und Teilnehmer der internationalen Konferenz "Euro Hybrid Materials and Structures", die sich am 10. und 11. April 2014 erstmals am PFH Campus Stade trafen, um über Fragen rund um hybride Werkstoffe und Multimaterialdesign zu diskutieren. Veranstalter der Tagung war die Deutsche Gesellschaft für Materialkunde (DGM).


Euro Hybrid am PFH Campus Stade

Die erste "Euro Hybrid" fand am PFH Campus Stade statt. Foto: DGM

Joachim Hausmann und Marc Siebert

Dr.-Ing. Joachim Hausmann (links) und Prof. Dr.-Ing. Marc Siebert leiteten die Konferenz. Foto: DGM

Einigkeit herrschte unter den Konferenzteilnehmern darüber, dass zur Erzielung definierter und insbesondere lokaler Funktionseigenschaften die Kombination von Werkstoffen unabdingbar ist. Klassische Einstofflösungen können die heutigen technischen und wirtschaftlichen Anforderungen meist nicht mehr erfüllen. Zu den sich daraus ergebenden Herausforderungen bezüglich Verbindungs- und Konstruktionstechniken, der Verarbeitung und des Verhaltens an den Grenzflächen wurden Lösungsansätze und Forschungsergebnisse in über 40 Vorträgen präsentiert und lebhaft diskutiert. Als Vorsitzende des Programmausschusses leiteten Prof. Dr.-Ing. Marc Siebert (PFH Private Hochschule Göttingen, Campus Stade) und Dr.-Ing. Joachim Hausmann (Deutsches Institut für Luft- und Raumfahrt, Köln) die Euro Hybrid.

 

Vielversprechende Werkstoffpaarung: CFK und Metall

In Plenarvorträgen stellten Dr.-Ing. Martin Hillebrecht (EDAG GmbH & Co. KGaA), Prof. Dr.-Ing. Axel Herrmann (Faserinstitut Bremen e. V.) und weitere Persönlichkeiten aus Forschung und Industrie die aktuellen Entwicklungen zu Bauweisen aus unterschiedlichsten Werkstoffkombinationen vor. Immer wieder trifft man dabei auf die Verbindung von carbonfaserverstärkten Kunststoffen (CFK) mit Metallen. Diese Werkstoffpaarung verspricht ein hohes Leichtbaupotential zusammen mit den bewährten und gutmütigen Eigenschaften von Metallen. Einige Bauteile werden zwar bereits als hybride Struktur gefertigt, jedoch besteht hier oft noch ein erheblicher Verbesserungsbedarf bei der Ausführung langzeitbeständiger und kraftflussoptimierter Verbindungen.

 

Die Tagungsräumlichkeiten stellte die PFH an ihrem Campus Stade im Umfeld des CFK-Valley Netzwerks zur Verfügung. Durch die räumliche und fachliche Nähe boten sich zum Abschluss der Veranstaltungen Betriebsbesichtigungen im Composite Technology Center (CTC) und des Stader AIRBUS-Werkes an. Hierbei konnten sich die Teilnehmer u.a. davon überzeugen, dass die neueste Generation der A350-Seitenleitwerke zwar größtenteils aus CFK besteht, aber auch noch einige Metallkomponenten aufweist. Die derzeit eingesetzten Bolzenverbindungen könnte aber möglicherweise eines Tages eine auf der Euro Hybrid vorgestellte Verbindungstechnik ersetzen. Dies würde Gewicht und damit Treibstoff beim Betrieb eines Flugzeugs sparen. Ähnliche Technologien könnten auch im Fahrzeugbau zu spürbaren Treibstoffeinsparungen beitragen.

 

Fortsetzung für Frühjahr 2016 geplant

"Die Euro Hybrid hat den Nerv der Zeit getroffen und die hier diskutierten Themen sind für sehr viele Branchen relevant", resümierte Siebert zum Ende der Tagung. "Denn bei Hybridbauweisen geht es nicht nur um Gewichtseinsparung, sondern sie bieten je nach Einsatzfeld auch Lösungen zur Funktionalitätserweiterung, für bessere Wirtschaftlichkeit und  Ressourcenschonung oder etwa zur Vermeidung von Wärmeausdehnung", so Siebert weiter. Aufgrund des Erfolgs der Auftaktveranstaltung konnten Siebert und Hausmann abschließend auch die Fortsetzung der Konferenzreihe bekannt geben. Die nächste Euro Hybrid Materials and Structures soll im Frühjahr 2016 stattfinden, als Austragungsort ist das Institut für Verbundwerkstoffe in Kaiserslautern geplant.