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Internationale Praktika der Orthobionik Studierenden

Praktikum bei Motivation Sri Lanka

Lennard Ekrod im Kreise seiner sri-lankischen Kollegen.

Lennard Ekrod absolvierte sein acht-wöchiges orthopädietechnisches Praktikum auf Sri Lanka. "Mein Praktikum bei Motivation Sri Lanka habe ich über die Johanniter organisiert", berichtet er. "Von den fünf Einrichtungen, welche über eine Werkstatt und ein Zentrum für Physiotherapie verfügen, habe ich drei besucht." So arbeitete er in der ersten Woche in Negombo. Dort organisierte Motivation Sri Lanka für 24 Gehbehinderte einen Rollstuhlbasketball-Event, für den eigens zwei Paralympic-Spieler als Trainer aus Amerika kamen. "Meine Aufgaben bestanden hauptsächlich in der Veranstaltungsorganisation und im Zusammenbau und der Reparatur der Rollstühle", so Ekrod. Anschließend ging es weiter in den Norden nach Mannar, wo er zwei Wochen lang im Centre for Disabled (CFD) mit einem der dort ansässigen Orthopädietechniker zusammenarbeitete. "Ich durfte mir meine Aufgaben selbst aussuchen. Das ging von Patientengesprächen über Abgipsen und Bearbeitung des Gipspositivs bis hin zu genereller Werkstattarbeit wie Tiefziehen, Schleifen oder Kleben sowie Produktabgabe und Gehschule." Auch sein erstes größeres Projekt, eine Korsettversorgung, hat er hier durchgeführt. "In der Werkstatt hatte niemand zuvor ein Korsett gebaut", berichtet der Student. Auch einen Vortrag für die heimischen Techniker zu diesem Thema hat er deshalb gehalten. Während der vierten Woche war Ekrod im Centre for Handicapped (CFH) in Kandy in der Mitte Sri Lankas tätig. Die letzten Wochen schließlich verbrachte er im Süden des Landes in Tangalle. Dort gibt es eine der größten Einrichtungen des Inselstaates, die neben Werkstatt und physiotherapeutischer Ambulanz zusätzlich eine Schule für über 100 behinderte Kinder betreibt. Hier fertigte er seine zweite Korsettversorgung an. "Das dritte Projekt war das spannendste", erinnert er sich. Dabei handelte es sich um die Versorgung eines beidseitig beinamputierten älteren Mannes. Ekrod baute ihm Unterschenkelprothesen und half ihm bei der Gehschule. "Es gibt auf Sri Lanka unglaublich viele körperlich behinderte Menschen, welche sich nicht selbst fortbewegen können", gibt Ekrod zu bedenken. Deshalb haben die Hilfsorganisationen so genannte Mobile Camps eingeführt, bei denen das Werkstattteam in entlegene Gegenden fährt, um Gipsabdrücke zu nehmen oder fertige Prothesen und Hilfsmittel zu übergeben. "Aufregend an Sri Lanka war, dass man ganz nah am Patienten arbeitet und auch viel mit den Verwandten oder Freunden zu tun hat. Ich wurde täglich zu den Leuten nach Hause eingeladen, um mit ihnen zu essen, obwohl diese selbst kaum genug Geld haben, um die Familie durchzubringen. Die Menschen auf Sri Lanka waren wirklich unbeschreiblich dankbar, wenn man ihr Leben durch Hilfsmittel verbessern kann", schließt Ekrod.

Praktikum in Uganda

Mattis Hohmann absolvierte sein Praktikum bei "PRO Uganda Prothesen für

Nach Afrika reiste Mattis Hohmann, um dort über Ostern ein zweiwöchiges Praktikum bei der Organisation "PRO Uganda Prothesen für neues Leben e. V." in Mukono zu absolvieren. Dabei handelt es sich um einen gemeinnützigen Verein, der in dauerhaften Projekten mit qualifizierten Freiwilligen-Teams die Menschen in Uganda orthopädietechnisch versorgt. "Mit einem sehr harmonischen Team von insgesamt sieben Orthopädietechnikern – drei Meistern und vier Gesellen – konnten wir gemeinsam einiges bewegen", berichtet der Orthobionik Student. Der Fokus seines Einsatzes lag darin, Arbeitsprozesse zu erproben und an die örtlichen Bedingungen anzupassen. Außerdem unterstützte er das Team dabei, die Planung für eine Orthopädiewerkstatt vor Ort fertigzustellen. Dieses Projekt brachten sie so weit voran, dass sie den Bauplan schließlich an den Architekten übergeben konnten. "Die große Herausforderung während des Praktikums bestand darin, ohne die dafür notwendigen Räumlichkeiten, Maschinen und Werkzeuge zu arbeiten", so Hohmann. Seine Kollegen und er bauten die Prothesen deshalb in einer KFZ-Werkstatt, die sie nach ihren Anforderungen hatten umgestalten dürfen. "Diese teilweise doch abenteuerlichen Bedingungen machten einerseits sehr viel Spaß, waren jedoch nicht immer zufriedenstellend, da eine optimale Versorgung der Patienten nicht immer möglich war", blickt er zurück. Hauptsächlich versorgt wurden deshalb Patienten, die in einem vorangegangenen Einsatz bereits begutachtet worden waren; so konnten die passenden Teile nach Uganda mitgebracht werden.

 

"Insgesamt konnten wir in der ersten Woche 13 Patienten sichten, von denen wir vier mit einer neuen Prothese versorgt haben, wobei zum Teil schon eine Verengung des vorhandenen Schaftes ausreichte." Andere konnten das Team und er nur beurteilen, um sie im nächsten Einsatz adäquat zu versorgen. Wieder andere Patienten wurden für Nachamputationen aufgrund von Stumpfkomplikationen an Krankenhäuser vermittelt. "Das Patientenspektrum erstreckte sich von dem dreijährigen Ivan, der aus seiner Unterschenkelprothese herausgewachsen war, bis hin zu Suleymani, der seit 40 Jahren auf einer notdürftig geflickten Prothese laufen musste. Es waren also so ziemlich alle Altersklassen vertreten und viele persönliche und bewegende Schicksale", erinnert sich Hohmann. "Insgesamt war der Einsatz eine unglaublich tolle Erfahrung. Nicht ausschließlich die Perfektion der Arbeit, sondern vielmehr die besonderen Augenblicke mit den Patienten haben mir persönlich sehr viel gegeben."

Hilfsprojekt in Haiti

Katharina Riedel und ihre Kollegen auf Haiti freuen sich mit der Patientin über die gelungene Versorgung ihres Fußes.

Katharina Riedel flog 2014 nach Haiti, um für "medi for help" zu arbeiten. Als sie 2010 ihre Ausbildung zur Orthopädietechnikerin begann, erschütterte ein Erdbeben die Karibikinsel; viele Menschen wurden damals schwer verletzt. Seitdem ließ sie die Idee, an einem Hilfsprojekt mitzuwirken, nicht mehr los. Die Aufregung war groß, als sie schließlich in Port-au-Prince landete: "Ich war vorher noch nie in einem Entwicklungsland und sehr gespannt auf all die neuen Erfahrungen." In Deschapelles, zwei Stunden von der Hauptstadt entfernt, arbeitete sie mit ihrer Chefin Cornelia Köhler und sechs haitianischen Kollegen zusammen. Gefertigt wurde von Prothesen, Korsetts, Nachtlagerungsschienen bis hin zu Ganzbeinapparaten alles, immer nach dem Motto 'Geht nicht, gibt’s nicht!'. "Doch gerade diese Kreativität war das Spannendste und Motivierendste", meint Riedel. Ausgerechnet während ihres Aufenthalts benötigte eine junge Patientin eine neue Vorfußprothese, was Thema im vorangegangenen Semester war. Kurzerhand organisierte Riedel eine Schulung zum Thema "Vorfußamputationen und Bellmann-Prothesen". Gemeinsam baute das Team anschließend eine neue Prothese. Da die Organisation medi eine zweite Werkstatt in Port-au-Prince betreibt, konnte sie auch dort arbeiten. "Ich habe es genossen, so viel von Haiti zu sehen und neben dem Landleben auch einen Eindruck von der Großstadt zu erhalten", so Riedel. Von Hahnenkämpfen, Voodoo-Ritualen, Betstunden und Wanderungen in den einsamen Bergregionen bis hin zum haitianischen Karneval hat sie dabei vieles erlebt.

Lebensfreude in Äthiopien

Nicola Wille bei der Klumpfußkorrektur.

Für die Organisation Cheshire Services Ethiopia im Rehabilitation Center in Menagesha/Äthiopien absolvierten Johanna-Talile Franke und Nicola Wille aus dem siebten Semester ihr vierwöchiges Praktikum. Im Nationalpark Menagesha, rund 25 Kilometer von der Hauptstadt Addis Abeba entfernt, liegt das Rehabilitation Center Menagesha auf rund 2.300 Metern Höhe. Hier sind bis zu 70 In- Care Patients, d. h. Kinder bis 18 Jahre, untergebracht. Franke und Wille unterstützten die Mitarbeiter bei Gipsmaßnahmen, Prothesenaufbauten und optimierten diese nach der visuellen Ganganalyse. Darüber hinaus gewannen sie Einblicke in die Physiotherapie und die soziale Arbeit. "Besonders das Lauftraining auf anspruchsvollem und unebenem Gelände, Muskeltraining und die Alltagsgestaltung der Kinder bereiteten uns große Freude", berichten sie. Die Orthopädietechnik in Äthiopien überraschte sie positiv. Fundiertes Fachwissen, Kreativität und soziales Miteinander führten zu guten Versorgungen. Trotzdem mussten sie feststellen, dass die Möglichkeiten der Techniker deutlich begrenzt waren. Denn aufgrund fehlender finanzieller Ausstattung fertigten diese die Hilfsmittel mit einfachsten Passteilen, Polstermaterialien und Maschinen, zur Verfügung gestellt vom Internationalen Roten Kreuz. "Besonders beeindruckt waren wir vom Recyclingprozess", erzählen die Studentinnen. Die "Kunststoff"-Abfälle der Prothesenschaftproduktion wurden wieder eingeschmolzen und zur Wiederverwertung für Griffe von Unterarmgehstützen neu geformt.

Johanna-Talile Franke hilft einem kleinen Patienten beim Lauftraining.

Die Organisation selbst wird durch Äthiopier geleitet und existiert alleine durch Spendengelder. Neben der stationären Versorgung in Menagesha gibt es drei weitere regionale Zentren, die ambulante Versorgungen durchführen. "Durch unseren Aufenthalt lernten wir die optimistische und motivierte Art der Äthiopier, ihre Behinderung anzunehmen, kennen. Die Gastfreundlichkeit aller Mitarbeiter, die Herzlichkeit und die Lebensfreude der Kinder machten uns diesen Aufenthalt zu einem unvergesslichen Erlebnis", schließen sie.

Funktionelle Lösungen in El Salvador

Max Freyer im Praxiseinsatz in San

Fast auf die andere Seite des Globus nach El Salvador reiste Max Freyer aus dem fünften Semester. Sein Praktikum absolvierte er an der Universität Don Bosco in San Salvador im Bereich Orthetik und Prothetik. "Ich bemerkte schnell, dass sich die Arbeitsweise trotz desselben Berufs im Detail anders darstellte, was durch die bemerkenswert unterschiedliche wirtschaftliche und politische Situation verursacht wird", berichtet er. "Die daraus entwickelte Fähigkeit, ohne den europäischen Maschinen- und Materialstandard dennoch effektive und funktionelle Prothesenkonzepte umzusetzen, begeisterten mich. Im Verlauf der fünf Wochen, die ich mit dem Abschlussjahrgang der Fakultät verbrachte, fühlte ich mich gut integriert. Der Wissensstand der Studenten ergänzte sich produktiv mit meinem, und ich konnte viele verschiedene Arbeitstechniken und -prozesse kennenlernen. Ich blicke positiv auf meine dortigen Erfahrungen zurück, die weit über die Motivation hinausgehen, Orthopädietechnik international kennen zu lernen", so sein Resümee.