Interview Luana Theodoro da Silva

Einfach machen und sich trauen!

Instagram Influencerin Luana Theodoro da Silva im Interview mit Prof. Riekhof

„Wartet nicht auf den richtigen Moment! Wartet nicht, bis man alles weiß. Es wird meistens nicht den richtigen Zeitpunkt geben. Einfach machen!“. Mit diesen Appellen gibt die junge Gründerin und Unternehmerin ihre Erfahrung gerne weiter. Direkt nach dem Abschluss ihres General Management-Studiums an der PFH im Jahr 2014 startete da Silva in die Selbstständigkeit als Influencerin bei Instagram (@luanasilva). 2016 gründete sie mit weiteren PFH-Absolventen eine Consulting-Agentur, die Unternehmen zum Thema Influencer Marketing berät.

 

Mit dem Vortrag auf dem Göttinger Alumnitag 2017 “Influencer Marketing: Wie man 500.000 Follower gewinnt” zeigt sie die täglichen Herausforderungen des für viele Unternehmen noch fremden Instruments des Online-Marketings. Prof. Dr. Hans-Christian Riekhof hat sie vorab interviewt.

Welches ist die wichtigste Botschaft, die Sie aus Ihrem Studium an der PFH mitgenommen haben und die sich für Ihre Managementaufgaben als wichtig erwiesen hat?

Da Silva: Während meines Studiums an der PFH habe ich einige Leute kennengelernt, die sich selbstständig gemacht haben. Durch die Geschichten über die Entwicklung, Niederlagen und Erfolge habe ich vor allem die Angst verloren, mich selbstständig zu machen. Daher ist die wichtigste Botschaft letztendlich, einfach zu machen und sich zu trauen. Mich hat das auch Überwindung gekostet. Mit einem guten Grundwissen in Kombination mit Kreativität und Mut ist man aber gut gewappnet für Managementaufgaben.

 

Welche Rolle spielen Branchenerfahrungen für den Job, den Sie heute haben?

Da Silva: Die Branchenerfahrung ist extrem wichtig. Besonders in Sozialen Medien kann man vieles falsch machen, und jeder sieht es sofort. Gleichzeitig sollte man nicht lange warten und zu viel darüber diskutieren, weil sich die Plattformen und die Nutzer sehr schnell verändern. Social Media ist meine Leidenschaft, deshalb beschäftige ich mich ständig mit dem Thema und bin jeden Tag aktiv. Dadurch habe ich mir die Branchenerfahrung selbst angeeignet. Es ist wichtig, dass man sich mit dem Thema detailliert auseinandersetzt, damit man versteht, was man macht.

 

Die PFH legt ja Wert darauf, dass die Studierenden lernen, eine gute Beziehung zu einem Mentor aufzubauen. Hatten Sie in den vergangenen Jahren einen Mentor? Und können Sie etwas über die Beziehung zu Ihrem Mentor sagen?

Da Silva: Ich hatte keinen einzelnen Mentor. Ich habe mehrere Bezugspersonen gefunden, die ich bei speziellen Problemen oder Herausforderungen explizit angesprochen habe. So hatte ich meistens den richtigen Ansprechpartner. Generell finde ich, dass das Mentoren-Programm eine gute Idee ist, da man sich auch kreativ austauschen kann.

 

Welches sind für Sie persönlich die Key Learnings aus Ihrer bisherigen beruflichen Laufbahn?

Da Silva: Meine Key Learnings sind, sich immer neu zu erfinden und neue Sachen auszuprobieren. Vor allem auch einmal etwas anderes zu machen als die anderen. Sich immer wieder trauen, auch etwas falsch zu machen. Aber dabei nicht zu naiv sein, sondern mit einer Grundlage und einer guten Idee vorangehen. Dazu gehört ein qualifiziertes Team, deswegen ist es wichtig, sich die passenden Leute zu suchen, mit denen man sich gut ergänzt.

 

Was macht für Sie einen „Unternehmer“ aus, auch wenn Sie persönlich eher Manager sind? Gibt es Ihrer Meinung nach in Großunternehmen genügend „Unternehmer“?

Da Silva: Für mich sollte ein Unternehmer vorangehen und den Blick für neue Ideen haben, ohne die Übersicht zu verlieren. Ich habe das Gefühl, dass sich die Leute vor allem in Großunternehmen einschränken lassen und nicht ihr ganzes Potential nutzen. Beispielsweise höre ich von einigen ehemaligen Kommilitonen, dass sie sich über veraltete Vorgehensweise und Prozesse beschweren und dass man einiges verbessern könnte, aber Veränderungen nicht immer gewünscht sind.

 

Welches sind die größten Herausforderungen, die Ihre derzeitige Position / Aufgabe mit sich bringt?

Da Silva: Meine größte Herausforderung ist das Abgeben von Aufgaben. Gleichzeitig sollen die Aufgaben so erledigt werden, wie man es sich vorstellt. Das fällt mir besonders schwer. Außerdem entstehen bei uns viele neue Bereiche und Projekte, jeder im Team arbeitet an verschiedenen Baustellen, da ist es nicht immer einfach, den Überblick zu behalten.

 

Gibt es Projekte, die Sie verantwortet haben und die richtig schief gegangen sind? Und wie sind Sie damit umgegangen?

Da Silva: Richtig schief gegangen ist zum Glück noch nichts. Aber natürlich laufen nicht alle Dinge so, wie man es sich vorstellt. Entweder gehen wir in eine neue Richtung und nutzen das als Chance oder, wenn es 'mal nicht klappt, dann soll es eben manchmal nicht sein und wir stoßen das Projekt ab.

 

Welches sind Ihre Prinzipien bei der Auswahl von Mitarbeitern, die direkt an Sie berichten? Worauf legen Sie – natürlich neben der fachlichen Qualifikation - besonderen Wert?

Da Silva: Für mich ist das wichtigste neben der fachlichen Qualifikation die Eigeninitiative. Ich suche daher vor allem Mitarbeiter, die auch mitdenken und etwas verändern wollen. Da wir im Aufbau sind und immer neue Projekte bearbeiten, brauchen wir Leute, die sich weiterentwickeln möchten und sich für das Thema begeistern können.

 

Gibt es etwas, was Sie den heutigen Studenten der PFH unbedingt ans Herz legen möchten?

Da Silva: Wartet nicht auf den richtigen Moment! Wartet nicht, bis man alles weiß. Es wird meistens nicht den richtigen Zeitpunkt geben. Machen. Legt euch ins Zeug und kämpft für eure eigenen Träume. Lasst euch keine Angst von der Außenwelt machen und lasst euch nicht von Stellenbeschreibungen einschränken, erfindet euren Beruf neu.

 

Wie denken Sie über das Thema Work-Life-Balance? Haben Sie da für sich Prinzipien formuliert?

Da Silva: Work-Life-Balance ist mir wichtig. Für mich ergibt es keinen Sinn, die ganze Woche durchzuarbeiten. Ich nehme mir Pausen, um den Ausgleich zu haben. Kurzfristig mag es Erfolge bringen, aber langfristig würde man sich kaputt arbeiten. Andererseits gibt es schon Phasen, an denen man länger an einem Thema arbeitet. Aber der Ausgleich ist für mich das wichtigste, um effektiv zu sein und gesund zu bleiben.