März 2024

„Wir sind quasi das Ohr in die Praxis“

PFH Namensschild Conference VR-AR Industrial Coalition

PFH Prof. Dr.-Ing. Stefan Wagenpfeil, Professor für Software-Engineering und IT-Management an der PFH, teilt seine Erfahrungen von der EU-Konferenz als Mitglied der europäischen VR/AR Industrial Coalition.

Im Interview erklärt er, welches die Aufgaben des Arbeitskreises sind und warum er für das Thema Bildung so relevant ist.

Herr Prof. Wagenpfeil, was macht die Arbeitsgruppe, was genau sind die Aufgaben der VR/AR Industrial Coalition der EU? 

Die Virtual and Augmented Reality (VR/AR-) Industrial Coalition der EU ist eine sogenannte Schlüsselinitiative, die im Rahmen des im Dezember 2020 gestarteten Aktionsplans der Europäischen Kommission ins Leben gerufen wurde. Der Aktionsplan zielt darauf ab, die Leistung der VR/AR-Industrie in Europa zu steigern und ihren optimalen Einsatz zu unterstützen. Die Coalition hat derzeit rund 100 Mitglieder aus allen Mitgliedsstaaten und unterschiedlichsten Bereichen, ob aus Industrieunternehmen, Beraterinnen und Berater oder Forschung und Lehre. Bei der Konferenz in Brüssel haben wir uns das erste Mal persönlich getroffen, es waren rund 70 Teilnehmer:innen dabei. Diese Plattform dient vor allem dazu, einen Dialog zwischen dem europäischen VR/AR-Ökosystem und politischen Entscheidungsträgern zu sichern. 

 

Warum ist das Thema so wichtig? Und was tragen die Arbeitsgruppe und Treffen wie bei der Konferenz dazu bei?

Das möchte ich im ersten Schritt mit einem Zitat aus dem Strategiepaper der EU „Strategy on Web 4.0 and virtual worlds“ beantworten, in dem es heißt: „Virtuelle Welten werden die Art und Weise, wie Menschen zusammenleben, beeinflussen und sowohl Chancen als auch Risiken mit sich bringen, die es zu bewältigen gilt.“ Die Chancen und Risiken zu erkennen und zu benennen, dazu soll auch die VR/AR Industrial Coalition beitragen. Ob es um die kritische Infrastruktur geht, die Europa vorhalten sollte, um die Förderung nachhaltiger Geschäftsmodelle für VR-/AR-Unternehmen, um Fragen zur Standardisierung von Systemen und Formaten, Datenschutz und Regulation oder den Aufbau digitaler Kompetenzen: die EU will sicherstellen, dass sie und ihre Mitgliedsstaaten nicht zurückbleiben bzw. im besten Fall auch die internationale Führung übernehmen können. Unter anderem ist Aufgabe der VR/AR Industrial Coalition, Themenschwerpunkte für die Förderung zu identifizieren und dahingehend zu beraten. Quasi als „Ohr in die Praxis“. Im Rahmen der Konferenz gab es mehrere sog. Breakout-Sessions, in denen Schwerpunktthemen diskutiert wurden. Mir liegt hier vor allem das Thema Bildung am Herzen. 

 

Virtual and Augmented Reality – was ist aus Ihrer Sicht wichtig, wenn es um das Thema Bildung geht?

Es geht hier um zwei Bereiche: Zum einen den Einsatz von Virtual and Augmented Reality in der Ausbildung an Schulen, Hochschulen, in der beruflichen Bildung oder beim Unternehmensinternen Wissenstransfer. VR/AR könnte beispielsweise die Art und Weise revolutionieren, wie unterrichtet wird. Diese Technologien ermöglichen es den Lernenden, Inhalte durch eine multisensorische Erfahrung zu erschließen. Digitale Inhalte können in reale oder virtuelle Umgebungen eingebettet werden, was die Visualisierung und Interaktion ermöglicht. Dann geht es auch um die Ausbildung, diese Technologien zu entwickeln und einzusetzen, insbesondere um die Lehre an den Hochschulen und Universitäten. Am Ende geht es natürlich auch darum, Bürgerinnen und Bürger der EU – und zwar aller Altersgruppen, zum Thema VR/AR abzuholen und ein Bewusstsein für die Möglichkeiten, Herausforderungen oder Risiken zu schaffen. 

 

Welche Rolle können Hochschulen wie die PFH hier einnehmen?

Für uns als PFH ist es an dieser Stelle sehr spannend, frühen und unmittelbaren Zugang zu solchen Themen zu erhalten und diese in die Lehre, beispielsweise in unserem Studiengang Wirtschaftsinformatik, zu integrieren. Die Integration neuer Technologien in die aktuellen Lehrveranstaltungen stellen eine der Stärken der PFH dar und bieten unseren Studierenden zusätzliche Qualifikations- uns Spezialisierungsmöglichkeiten. Als Teil der Galileo Global Education liegt uns internationale Zusammenarbeit im Blut – und als Hochschule in Deutschland ist der europäische Gedanke tief in unserer DNA verwurzelt. Deshalb freue ich mich, dass ich als Teil der VR/AR Coalition und als Professor an der PFH diese Themen an der PFH Göttingen zusammen bringen kann. 

 

Vielen Dank für diesen Einblick, Prof. Wagenpfeil!