Elektromobilität für körperlich behinderte Menschen (EMOB-REHA)

Mobilität ist das dominierende Thema für körperlich behinderte Menschen. Voraussetzung für die selbständige Mobilität sind Hilfsmittel bzw. Fahrzeuge, die auf die Bedürfnisse körperlich behinderter Menschen abgestimmt sind. Zu den täglichen Lebensbegleitern für beispielsweise querschnittsgelähmte Menschen zählt der Rollstuhl. Dieser muss allen Anforderungen an ein leicht zu bewegendes Fortbewegungsmittel entsprechen und zudem bequemes, aktives und ermüdungsfreies Sitzen ermöglichen. Dies gilt gleichermaßen für Kinder und Erwachsene. Selbst wenn alle Anforderungen an einen optimalen Rollstuhl erfüllt werden – was in der Realität eher selten der Fall ist – so sind Reichweite und Umfang eigenständiger Mobilität im Rollstuhl deutlich begrenzt. Die Beschaffenheit des Bodens ist ebenfalls ein Faktor, der die Mobilität mit einem Rollstuhl wesentlich beeinträchtigen kann. Weiche Untergründe, wie z. B. gemulchte Flächen auf Kinderspielplätzen, mit Schnee bedeckte Flächen sowie sandige bzw. gekieste Untergründe (Strand) sind mit einem Rollstuhl bauartbedingt weder eigenständig noch mit einer Hilfsperson befahrbar und stellen somit Einschränkungen in Bezug auf Teilhabe dar.

 

Eine deutliche Steigerung der eigenständigen Mobilität und Teilhabe im Alltag kann durch den gezielten Einsatz elektrischer Antriebe in Verbindung mit speziellen dreirädrigen Fahrzeugen („Handbikes“) erreicht werden. Das Handbike kann als das Fahrrad des Rollstuhlfahrers bezeichnet werden. Rollstuhlfahrer, egal ob Erwachsene oder Kinder, strapazieren ihre Oberkörper- und Rumpfmuskulatur stärker als nicht körperlich behinderte Menschen. Gezieltes körperliches Training ist daher erheblich relevant, um Überbeanspruchungen zu reduzieren oder zu vermeiden. Damit trägt es zu verringerten Heil- und Pflegekosten für die Kostenträger bei.

 

Das Innovationspotenzial des neuartigen Lösungsansatzes im Rahmen des Projekts „EMOB-REHA“ besteht darin, ein geeignetes Fahrzeugkonzept für körperlich behinderte Menschen zu entwickeln, welches das gleichzeitige Steuern und Antreiben zulässt, über eine elektrische Unterstützung verfügt, einen kleinen Wendekreis hat, über eine gute Traktion verfügt und Reifenbreiten zulässt, die auch ein Befahren von losem Untergrund, im Extremfall von Sand in Strandbereich ermöglichen. Ein leichter Ein- und Ausstieg durch z. B. eine wegschwenkbare Lenksäule sowie eine leicht erhöhte Sitzposition sollen durch den neuartigen Lösungsansatz ebenfalls umgesetzt werden. Das geplante Vorhaben zielt im Gegensatz zu bisherigen Ansätzen weiterhin darauf ab, eine möglichst große Gruppe körperlich behinderter Menschen (auch Kinder) in den Genuss einer Handbike-Nutzung zu bringen. Erreicht werden soll dies auch unter Anwendung einer modularen Plattformstrategie, ähnlich der Vorgehensweise im Automobilbereich. So sollen basierend auf einem Basisrahmen-Konzept sowohl ein Alltags-Handbike („Nutzfahrrad“) ähnlich einem Trekking- bzw. Cityrad als auch ein High-End-Sportgerät realisiert werden können. Im Detail unterscheiden sich die Ausführungen z. B. durch die verwendeten Werkstoffe und die eingesetzten (Fahrrad-)Komponenten, wie Räder, Bremsen, Schaltung etc., die in unterschiedlichen Qualitäten und somit auch zu unterschiedlichen Kosten verfügbar sind.