09.07.2012
Campusstudium

10. Gesellschaftspolitischer Diskurs an der PFH

Rund 40 Schülerinnen und Schüler der Göttinger Gymnasien und weiterführenden Schulen waren am 9. Juli zu Gast an der PFH. Dort diskutierten sie zum Thema "Failing States: Zerfallen(d)e Staaten als Problem der internationalen Entwicklungspolitik". Dies war bereits die zehnte Diskussionsveranstaltung, die im Rahmen der Reihe "Gesellschaftspolitischer Diskurs" zweimal jährlich exklusiv für die Kooperationsschulen der PFH stattfindet. Moderator des Abends war Dr. Joachim Ahrens, Professor für International Economics.


Um in das Thema einzuführen und eine Grundlage für die anschließende Diskussion zu schaffen, hatten die Studierenden Philipp Gais, Lutz Geil und Robin Hogrefe ein Impulsreferat vorbereitet. Darin nannten sie vier mögliche Gründe, warum Staaten fallen können beziehungsweise gefallen sind:

 

  1. Koloniales Erbe und damit verbundene willkürliche Grenzziehungen
  2. Neoliberale Strukturanpassungsprogramme, die zu Kultur, Geschichte, Mentalität oder anderen Faktoren eines Staates nicht passen
  3. Das Ende des Kalten Krieges, das viele zuvor politisch unterdrückte Staaten in die Unabhängigkeit, aber auch ungewohnte Verantwortung entließ
  4. Modernisierungsprozesse

 

Insgesamt können diese Gründe auch unterteilt werden in wirtschaftliche, politische und soziale Faktoren. Die Studierenden erläuterten ebenfalls, nach welchen Kriterien ein Staat als "failed" einzustufen sei und welche Staaten als gescheitert gelten: Somalia, Tschad, Sudan, Kongo und Haiti führen diese unrühmliche Liste an.

 

Die anschließend geführte Diskussion thematisierte vor allem die Rolle und Verantwortung der internationalen Staatengemeinschaft im Zusammenhang mit Failing States. Die Schüler äußerten beispielsweise die Ansicht, dass diese durchaus eigene Interessen vertreten und Hilfe deshalb immer kritisch zu bewerten sei. "Blauhelm-Einsätze sind nur Kosmetik", hieß es da durchaus. Aber welche Hilfe ist richtig und zielführend? Worin besteht die Motivation zur Hilfe? Wem soll man helfen und wann? Welche Mittel sind die richtigen: Güter, Geld, Militär? Auch die Relevanz von Bildung wurde diskutiert: Wie wichtig ist sie, damit ein Staat funktioniert? Oder ist eine stabile wirtschaftliche Situation weitaus relevanter zum Funktionieren eines Staates? Ebenfalls besprochen wurden die Maßnahmen, die zu nachhaltiger Hilfe beitragen könnten. Hier sahen es die Schüler schließlich als besonders wichtig an, das Gewaltmonopol eines Staates zu sichern, indem sich die staatlichen Gewalten und Institutionen gegenseitig unterstützen und kontrollieren.

 

Schulkooperationen der PFH Göttingen


Der "Gesellschaftspolitische Diskurs" widmet sich zweimal jährlich gesellschaftlich relevanten Themen, die über rein wirtschaftliche Aspekte hinausgehen. Ziel dabei ist es, eine Plattform zum Austausch von Meinungen und Argumenten zu bieten, welche es Schülern, Lehrern, Eltern und Studierenden erlaubt, die Standpunkte anderer Menschen kennen zu lernen, die eigene Meinung zu überprüfen und neue Argumente zu erfahren. Die Veranstaltungsreihe ist Teil des Schulkooperations-Konzeptes der PFH, das diese intensiv verfolgt, um möglichst frühzeitig mit Jugendlichen in Kontakt zu treten und sie bei ihrer Berufs- und Studienwahl zu unterstützen. Zur Zeit bestehen mit 54 Gymnasien und weiterführenden Schulen bundesweit entsprechende Vereinbarungen. Um diesen Schulkooperationen lebendig und erlebbar zu gestalten, richtet die PFH regelmäßig Veranstaltungen exklusiv für die Schülerinnen und Schüler ihrer Kooperationsschulen aus. Davon profitieren beide Partner: Die Jugendlichen erhalten schon lange vor dem Abitur Einblick in wissenschaftliches Arbeiten und den Studienalltag. Die PFH wiederum hat die Möglichkeit, die Erwartungen potenzieller Studierender kennen zu lernen und sich darauf einzustellen.