Kostenloses Informationsmaterial
 

Fernstudieren in Addis Abeba

Tischlermeister Viktor Penner am Arbeitsplatz

Seit Anfang 2015 lebt der Tischlermeister und PFH-Fernstudent Viktor Penner mit seiner Familie in Äthiopien. Für eine christliche Hilfsorganisation bildet er körperlich behinderte Menschen im Tischlerhandwerk aus. Weil er langfristig auch für die Übernahme von Managementaufgaben gerüstet sein möchte, hat Penner ein BWL-Fernstudium an der PFH aufgenommen und vor kurzem die ersten Prüfungen absolviert.

 

 

Herr Penner, Sie leben und arbeiten derzeit in Addis Abeba, der Hauptstadt Äthiopiens. Wie kam es dazu? Und wie sieht ihr Arbeitsalltag aus?

 

Der erste Kontakt zu der christlichen Hilfsorganisation, für die ich hier in Äthiopien arbeite, entstand 2010 über meine Kirchengemeinde. Damals wurde ein Tischlermeister zur Ausbildung von körperlich behinderten Menschen in Addis Abeba gesucht. Aus der Idee, mal sporadisch hinzufahren, entstand die Anfrage, ob ich mit meiner Familie für einen längeren Einsatz in Äthiopien bereit wäre. Nach längerer Vorbereitung sind wir dann im Januar 2015 nach Äthiopien umgezogen. In meinem Arbeitsalltag schule ich die äthiopischen Ausbilder und Fachkräfte, gebe Sicherheitsunterweisungen,  betreue insbesondere unsere ausländischen Kunden und bilde die Lehrlinge aus dem ersten und zweiten Ausbildungsjahr im Tischlerhandwerk aus. Daneben versuche ich immer wieder Schlüsselkompetenzen wie Sauberkeit, Genauigkeit und Pünktlichkeit zu vermitteln. Unsere Lehrlinge kommen aus der ärmsten Schicht, haben meist eine schlechte Schulbildung und würden ohne Ausbildung vermutlich als Bettler auf der Straße landen. Außerdem sind über 70 Prozent unserer Lehrlinge taubstumm – und in Äthiopien mit Behinderung zu leben ist eine große Herausforderung.

 

 

Wie lange werden Sie in Äthiopien bleiben und welchen Eindruck haben Sie von Land, Leuten, und Kultur bislang erhalten?

 

Im Moment ist nicht absehbar, wie lange wir hier bleiben. Arbeit ist genug da, aber man muss jedes Jahr darum bangen, dass die Regierung die Arbeitserlaubnis verlängert. Mittlerweile haben wir uns eingelebt. Äthiopien ist ein wunderschönes Land und die Menschen sind sehr gastfreundlich. Die meisten Äthiopier sind ausgesprochen kinderlieb und das macht es für uns als Familie mit fünf Kindern leichter, hier zu leben. Die Hauptstadt Addis Abeba leidet allerdings auch unter dem hohen Verkehrsaufkommen und der starken Luftverschmutzung. Viele Menschen leben nach wie vor in Blechhütten und armen Verhältnissen. Die Traditionen und die christlich-orthodoxe Kultur Äthiopiens sind sehr interessant und spannend. In den großen Städten fällt jedoch vieles den westlichen Einflüssen zum Opfer – das ist zum Teil verständlich und gut, aber zum Teil auch bedauerlich. Wenn ich nach Deutschland zurückkehre, werde ich viele Dinge vermissen. Zum Beispiel äthiopisches Essen wie das Injera – das ist ein Sauerteigfladen, der mit verschiedenen Saucen und bei besonderen Anlässen auch mit Fleisch serviert wird.

Viktor Penner mit äthiopischen Freunden

Haben Sie viele Kontakte zu Einheimischen geknüpft? Wie funktioniert die Verständigung?

 

Wir haben bereits einige gute Kontakte. Wenn ich hier auf der Straße nach Hause gehe und ein Nachbar mich zum Kaffee einlädt, komme ich oft erst nach zwei Stunden weiter. Da ich 14 Monate Amharisch an einer Sprachschule gelernt habe, funktioniert die Verständigung recht gut. Aber es ist nach wie vor eine herausfordernde Sprache. Die junge Generation spricht außerdem schon relativ gut Englisch.

 

 

Wann und warum haben Sie sich dafür entscheiden, sich mit einem Fernstudium weiter zu qualifizieren?

 

Eigentlich habe ich mich bereits kurz nach meiner Ankunft in Äthiopien die Fragen gestellt, was für eine Weiterbildung mir persönlich und in meiner Arbeit helfen würde. Und wie kann ich die äthiopischen Behörden überzeugen, dass ich hier wichtig bin? Was für Chancen werde ich nach meiner Rückkehr auf dem deutschen Arbeitsmarkt haben? Klar ist: Wenn ich länger in Äthiopien bleibe, werden auch Management-Aufgaben auf mich zukommen.

Kinder spielen Tischkicker auf der Straße

Weshalb fiel Ihre Wahl auf die PFH?

 

Am Anfang habe ich mich über Weiterbildungskurse informiert, die drei Monate oder vielleicht ein Jahr dauern. Aber ich konnte nichts Passendes für mich finden. Dann stieß ich auf das Thema Fernstudium und habe nach geeigneten Anbietern gesucht. Auf die PFH bin ich aufmerksam geworden, weil sie ein Fernstudium ohne Präsenzpflicht anbietet. Als Vater von fünf Kindern kann ich es mir nicht leisten, zweimal im Jahr nach Deutschland zu fliegen. Außerdem hat mich die sehr freundliche, schnelle und kompetente Beratung überzeugt. Und ich war froh, dass sich die PFH darum gekümmert hat, wo ich die Prüfungen absolvieren kann.

 

 

Wie funktionieren das Fernstudium und die Betreuung durch das Fernstudienteam über eine Distanz von 5.400 Kilometern?

 

Dank der heutigen Möglichkeiten, via Internet, ist es natürlich recht einfach geworden. Etwas Sorge macht mir manchmal, ob die Fernlehrbriefe hier pünktlich ankommen werden oder ob sie überhaupt ankommen. Die Betreuung erlebe ich als Mensch und nicht als eine Nummer. Ich habe das Gefühl, dass das PFH-Team sich wirklich um meine Anliegen kümmert.

 

 

Fällt Ihnen das Fernlernen leicht oder schwer?

 

Grundsätzlich bin ich jemand, der gerne selbst und für sich lernt. Aber ich merke schon, dass das Wirtschaftsstudium eine besondere Herausforderung ist und wünsche mir manchmal, vor Ort zu sein und Fragen intensiver diskutieren zu können. Aber die Fernlehrbriefe sind gut aufgebaut. So sind sie eine große Hilfe für mich und auch das Fundament für gute Ergebnisse.

Familienausflug mit dem Jeep

Ende September haben Sie die ersten Prüfungen Ihres Fernstudiums im Goethe-Institut in Addis Abeba absolviert. Wie war es?

 

Die betreuenden Personen im Goethe-Institut hatte ich vorher bereits kennengelernt, so liefen die Prüfungen reibungslos ab. Im Moment bin ich aber erstmal froh, die Klausuren hinter mir zu haben und hoffe auf ein gutes Resultat.

 

 

Haben Sie sich bereits für Studienschwerpunkte entschieden, die Sie im späteren Verlauf des Fernstudiums wählen möchten?

 

Da ich früher in der Personalplanung gearbeitet habe und meine Stärken in diesem Bereich sehe, möchte ich vielleicht in Richtung Human Resource Management gehen. Aber ein bisschen Zeit habe ich ja noch und werde mich von den noch vor mir liegenden Themen inspirieren lassen.

 

 

Welche beruflichen Ziele verfolgen Sie mit Ihrem Fernstudium? Welche Aufstiegsmöglichkeiten könnten sich für Sie ergeben?

 

Wie schon erwähnt sehe ich meine zukünftigen Aufgaben in Äthiopien im Management der Organisation, für die ich jetzt arbeite. Aber auch in Deutschland hätte durch die Kombination des Tischlermeistertitels und des BWL-Studiums viel bessere Chancen, Führungspositionen wahrnehmen zu können, zum Beispiel in der Möbelindustrie.

 

 

Zum Schluss: Wie würden Sie die wichtigsten Unterschiede zwischen Äthiopien und Deutschland charakterisieren?

 

  1. Der Kaffee. Vor allem traditionell gemachter äthiopischer Kaffee ist einfach ein Genuss.
  2. Die Hilfsbereitschaft sowie die Offenheit und Zeit zum Reden. In Äthiopien ist es kein Problem, einen Wildfremden auf der Straße oder im Minibus-Taxi anzusprechen oder ein Stück mitzugehen um jemanden den Weg zu zeigen.
  3. Die Genauigkeit. Wir als Deutsche haben ein ganz anderes Verständnis von Genauigkeit und Qualität. Das ist hier ein Manko.
  4. Die Fähigkeit zur Planung, die hier viele nicht gelernt haben.  Ein Lieblingsspruch der Äthiopier ist "Kein Problem!". In Deutschland ist man gewohnt, dass alles aufs Kleinste durchdacht ist. Für mich ist es da manchmal schwer, einen gemeinsamen Weg zu finden.