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Ist Geiz blöd?

Prof. Dr. Michael Heinlein lehrt Allgemeine Betriebswirtschaftslehre, insbesondere Vertriebsmanagement, an der PFH Private Hochschule Göttingen. In seinem Vortrag bei der Nacht des Wissens 2015 in Göttingen beleuchtete er die weit verbreitete „Geiz ist geil“-Mentalität aus volkswirtschaftlicher Perspektive sowie aus Sicht des Handels und illustrierte seine Ausführungen sehr anschaulich mit Grafiken und Rechenbeispielen.

 

Aus dem Blickwinkel von Privathaushalten sind Geiz beziehungsweise die Kampfpreise von Handelsketten zunächst durchaus sinnvoll und nachvollziehbar. Die Haushalte können sich bei gleichbleibendem Einkommen mehr Produkte leisten, wodurch auch die Nachfrage bei den Anbietern steigt. Die Folge der Preissenkungen sind allerdings Gewinneinbußen bei den Handelsunternehmen, die zum Teil durch die steigende Nachfrage in Form höherer Umsätze kompensiert werden. Darüber hinaus müssen jedoch auch Kosten reduziert werden, was sich wiederum für den Konsumenten spürbar negativ unter anderem auf das Leistungsangebot (z. B. Beratungsleistung oder Ambiente der Verkaufsfläche) auswirkt. Kleinere Fachhändler sterben aus, da sie (z. B. aufgrund höherer Ladenmieten und Lohnkosten) ihre Kosten nicht in gleichem Maße wie Großanbieter reduzieren und ihre Ware daher nicht ebenso günstig anbieten können. Dies gehört zur Strategie der großen Handelsunternehmen, da eine sinkende Anzahl von Wettbewerbern den eigenen Umsatz ebenfalls erhöht. Infolge dessen können Anbieterpreisdiktate und Oligopole entstehen. Dies bedeutet, dass wenige große Handelsunternehmen heute schon die Macht haben, Druck auf die Hersteller auszuüben – so z. B. im Lebensmitteleinzelhandel – und zukünftig die Preise wieder erhöhen können, da der Wettbewerb nur noch in geringem Maße vorhanden sein wird.

 

Heinlein betonte, dass die Macht über die Entwicklung des Wettbewerbs (z. B. die bereits fortschreitende Bildung von Oligopolen und potentielle Leistungseinschränkungen der Lieferanten) letztlich bei den Kunden liegt. Die vorherrschende Geiz-Mentalität könnte eines Tages in Form eines Preisdiktates oder gar eines gänzlichen Verschwindens von Handels-Fachgeschäften – wie z. B. die HiFi-Fachgeschäfte Ende der 80iger Jahre und später die Computer-Fachgeschäfte – negativ auf den Verbraucher zurück fallen.

Der Vortrag als Video